Pflege im eigenen Zuhause

Unter der Moderation von Roland von Ziehlberg (Dritter von rechts), Verlagsleiter der Uetersener Nachrichten, stellten sich den Fragen des Seniorenbeirats: Bernd Möbius (Bündnis 90/Die Grünen, von links), Anne-Christin Speichert (SPD), Andreas Stief (CDU), Sabine Lankau (BfB) und Rolf Maßow (FDP).
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Unter der Moderation von Roland von Ziehlberg (Dritter von rechts), Verlagsleiter der Uetersener Nachrichten, stellten sich den Fragen des Seniorenbeirats: Bernd Möbius (Bündnis 90/Die Grünen, von links), Anne-Christin Speichert (SPD), Andreas Stief (CDU), Sabine Lankau (BfB) und Rolf Maßow (FDP).

Fünf Lokalpolitiker aller Uetersener Parteien beantworteten Fragen des Seniorenbeirats

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16. März 2018, 16:05 Uhr

Der Seniorenbeirat prüfte Vertreter der fünf Parteien, die am 6. Mai bei der Kommunalwahl antreten, auf Herz und Nieren. Die Parteien waren aufgefordert, zu seniorenrelevanten Themen Stellung zu beziehen.

Diese besondere Seniorenbeiratssitzung stieß auf ein breites Interesse, der Ratssaal samt Zuschauerbereich war prall gefüllt. Der siebenköpfige Beirat hatte den Parteien im Vorfeld Fragen zukommen lassen, die unter der Moderation von UeNa-Verlagsleiter Roland von Ziehlberg öffentlich beantwortet wurden.

„Wer von ihnen möchte gern in einem Heim leben?“, fragte Kirsten Wolf-Niederhausen vom Seniorenbeirat die Gäste. Kein einziger meldete sich, die Teilnehmer bekräftigten damit die Wichtigkeit der häuslichen Pflege. Von den Kommunalpolitikern wollte der Beirat wissen, wie diese in Uetersen weiterentwickelt werden soll und was sie von der Betreuungsform „Intro Buurtzorg“ halten. Worum es sich hierbei handelt, erläuterte Wolf-Niederhausen: Das Modell sei seit über zwölf Jahren in den Niederlanden erfolgreich. Statt kleinteiliger Abrechnung rechne man die eingesetzte Zeit ab. Wenn alles erledigt ist, sei auch gemeinsames Kaffeetrinken ausdrücklich erlaubt. „Ein informelles Netzwerk mit Freunden und Nachbarn wird eingebunden“, erklärte die Seniorenvertreterin. „Wenn die Tochter ohnehin zu Besuch ist, kann sie die Stützstrümpfe anziehen.“ Durch dieses Freiwilligennetzwerk gelinge die soziale Reintegration der Pflegebedürftigen. Bei „Buurtzorg“ gebe es eine Pflegekostenersparnis von 30 bis 50 Prozent, die Pflegekräfte seien zudem zufriedener. In Deutschland läuft ein Modellprojekt im Münsterland, eines an der schleswig-holsteinischen Westküste ist geplant.

Bernd Möbius (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, ihm gefalle die Idee, Menschlichkeit vor Bürokratie walten zu lassen. Allerdings müssten die Weichen dazu auf Bundesebene gestellt werden. Andreas Stief (CDU) bekräftigte, seine Partei stehe diesbezüglich in enger Verbindung zu Landes- und Bundestagsabgeordneten. Sabine Lankau (BfB) schlug vor, dass der Seniorenbeirat eine Informationsveranstaltung über „Buurtzorg“ organisiert. Anne-Christin Speichert (SPD) sagte, man könne bereits jetzt auf Kommunalebene etwas zugunsten der häuslichen Pflege tun, beispielsweise weitere Wohngemeinschaften nach dem „Bielefelder Modell“ etablieren. Der Kreistag könne die Beratungsstelle „Pflegestützpunkt“ weiter ausbauen, die Kreis-SPD mache sich zudem für die Aufstellung eines Pflegebedarfsplans stark. Zudem müsse barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Letzteres betonte auch Rolf Maßow (FDP): „Im Baurecht sollten wir solche Projekte bevorzugen, die alten- und behindertengerecht und auch bezahlbar sind.“


Alte Menschen aufs digitale Abstellgleis?

In Sachen Digitalisierung führte Hartmut Rehbein, stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats, aus, dass in Uetersen 5700 Senioren leben, darunter 2000 älter als 70 Jahre. Es sei zu befürchten, dass diese durch den Vormarsch der digitalen Medien abgehängt werden, beispielsweise beim Einkaufen, Buchen oder in der Kommunikation. Die Politiker verwiesen hier auf die bestehenden, bereits vom Seniorenbeirat organisierten Weiterbildungsangebote und Smartphone-Sprechstunden. Zudem bekräftigte man, dass es auch künftig immer möglich sein müsse, seine Erledigungen per Brief und Telefon, also ohne Computer oder Handy, abzuarbeiten.
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In den „Uetersener Nachrichten am Sonntag“ lesen Sie am 18. März, was die Lokalpolitiker zu den Themen Wohnen und Mobilität im Alter gesagt haben.

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