Erfolg : „Papa, was ist ein Fremder?“

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Hayri Öznarin ist sauer. „Wenn ich bis vor wenigen Wochen als Scheißtürke angesprochen werde, fühle ich mich nicht wohl.

shz.de von
15. September 2011, 21:18 Uhr

Ich kann nicht mehr. In meinen Bauch geht nichts mehr rein!“, sagte der Vorsitzende des Elmshorner Einwandererbunds gestern. Seine Stimme wurde laut. Der Rassismus im Kreis Pinneberg lebt. Eine Maklerin sagte einem schwarzen Deutschen, dass er für die Vermieter nicht zumutbar sei. Ein Schüler jüdischen Glaubens klagt, dass seine Familie umzog, weil sie von Nachbarn terrorisiert wurde. Eine Bankangestellte bezeichnete Kunden als „Scheiß-Ausländer“. Und in vielen Kinderzimmern steht die Geschichte der Kolonialherrin „Pippi Langstrumpf“, der sich im Taka-Tuka-Land Eingeborene in Baströckchen fröhlich ergeben.

Beispiele, von denen Öznarins Stellvertreter Horst Marn gestern berichtete. Beide kämpfen seit Jahren gegen Rassismus. Ein Durchbruch ist ihnen kürzlich mit dem Theaterprojekt „Papa, was ist ein Fremder?“ gelungen. Vier Jahre lang führte Marn das Stück nach dem gleichnamigen Buch von Tahar ben Jelloun an Schulen in Uetersen, Elmshorn, Pinneberg und Itzehoe auf. Nachdem die Förderung durch die Aktion Mensch auslief, kann das Projekt nun mithilfe des Europäischen Integrationsfonds landesweit durchstarten.

Marn plant bis Ende März rund 40 Aufführungen an Schulen in Tornesch, Heide, Büsum, Lübeck, Eckernförde und Kiel. 1250 Euro kommen von der EU, 3750 Euro muss Marn selbst aufbringen. Davon hat die Volksbank Elmshorn 1500 Euro übernommen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann half, bürokratische Hürden der EU zu überwinden.

Marn spielt in dem Stück einen Vater, der seiner Tochter Begriffe wie Rassismus und Diskriminierung erläutert. Anschließend diskutiert der 71-Jährige mit den Schülern. Öznarin erklärte das Ziel: „Wir müssen Schüler ansprechen, damit unsere Kinder keinen Rassismus erleben.“

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