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Worte zum Höchsten Christlichen Fest : Ostern beginnt in der Nacht

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ostern beginnt in der Dunkelheit der Nacht, beginnt mit Schmerz und Trauer. So jedenfalls geht es Maria von Magdala, die sich frühmorgens aufmacht, um Jesu Leichnam zu salben. Auf dem Weg ist sie noch ganz in ihrer Trauer gefangen, denkt an die Zeit mit Jesus zurück, was sie mit ihm erlebt hat.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2015 | 18:31 Uhr

Sie denkt daran, wie Jesus getötet wurde und dass nun alles vorbei ist. Das einzige, was ihr bleibt, ist, ihm einen letzten Dienst zu erweisen und so ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. – Dann kommt sie dorthin, wo Jesus begraben liegt: der Stein ist weg, das Grab ist leer.

Eigentlich eine gute Nachricht, aber für Maria ist das ein ganz schrecklicher Gedanke, dass der Leichnam nicht mehr da ist. In ihre Trauer mischt sich der Schock über den verschwundenen Jesus. Schließlich – so erzählt der Evangelist Johannes – begegnet ihr Jesus selbst als der Auferstandene (Joh. 20,11-18). Aber sie erkennt ihn nicht, denkt, es sei der Gärtner, und fragt ihn nach dem verschwundenen Leichnam. Warum erkennt sie Jesus nicht? Weil die Erinnerung an das Alte sie gefangen hält und sie sich gar nicht vorstellen kann, dass etwas Neues geworden ist.

Wir werden in diesen Tagen immer wieder mit den Gedanken an den Tod anderer Menschen konfrontiert. Die 149 Opfer beschäftigen uns, die in der German-Wings-Maschine in den französischen Alpen einen jähen Tod starben; der Copilot, der mutmaßlich in den Suizid flog und andere mit in den Tod riss. Oder auch diejenigen, die durch Kriegshandlungen ums Leben kommen wie in Syrien oder in der Ostukraine. Dazu kommen Personen aus dem Familien- oder Bekanntenkreis, die ganz plötzlich und unerwartet starben. Das ist die Wirklichkeit, mit der wir leben, die wir aushalten müssen und nicht wegwischen können.

Der Evangelist Johannes erzählt seine Ostergeschichte so weiter: „Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.“ Maria, die ganz mit ihren Gedanken in der Trauer gefangen ist, horcht auf beim Klang ihres Namens. Plötzlich merkt sie, dass Jesus vor ihr steht und die Beziehung, die sie mit ihm gehabt hat, lebendig wird. Er ruft: Maria!, sie nennt ihn Meister, so wie sie es früher oft gemacht hat. „Da wandte sie sich um,“ erzählt der Evangelist. Sie wendet sich dem Auferstandenen zu, als er sie anspricht. Ich verstehe diesen Satz symbolisch, dass Maria sich dem Neuen zuwendet und das Alte hinter sich lassen kann. Vorher war sie gefangen in ihrer Trauer, jetzt ist sie offen für die neue Wirklichkeit, die ihr in dem Auferstandenen begegnet. Allerdings sagt Jesus auch: „Rühre mich nicht an!“, als sie ihn umarmen will.

Für uns heißt das, dass es auch noch etwas anderes gibt als die Wirklichkeit, wie wir sie kennen. Dass es nicht nur Trauer gibt und Schmerz, sondern auch Glück und Lebensfreude. Es gibt nicht nur beschädigtes Leben, sondern auch neue Lebensmöglichkeiten. Es gibt nicht nur Tod, sondern neues Leben. Die Wirklichkeit der Auferstehung ist allerdings keine, die man begreifen kann. Sie ist keine Realität, die man erforschen könnte, und entzieht sich der wissenschaftlichen Untersuchung. Aber sie ist eine Wirklichkeit, die man erleben kann. Immer wieder erlebten Menschen, dass etwas Neues entstand, wo alles aussichtslos schien, dass es Leben gab, wo nur noch Tod zu sehen war.

Ich möchte nicht vorschnell über die schmerzlichen Erfahrungen hinwegtrösten, die wir nur allzu gut kennen. Und gerade in diesem Jahr mischt sich in die Osterfreude bei mir die Trauer über den plötzlichen Tod eines Kollegen sowie das Erschrecken über den Tod der 149 Opfer im Flugzeug. Aber die Hoffnung, dass neues Leben möglich ist, die möchte ich nicht aufgeben. Und ich höre die Osterbotschaft neu: Jesus lebt. Ostern beginnt in der Dunkelheit der Nacht – und führt uns zum Licht eines neuen Tages.

Frohe Ostern!

– Johannes Bornholdt ist Pastor an der Erlöserkirche, Ossenpadd

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