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Diskussion : Orte ohne Ärzte: Da will doch keiner leben

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Dass die Situation der ärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein viel heikler ist als allgemein angenommen, verdeutlichten nackte Zahlen und Fakten, die SPD-Landtagskandidat Thomas Hölck, der Landtagsabgeordnete und Sozialexperte Bernd Heinemann (SPD) aus Kiel und der sozialdemokratische Kreistagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Stahl mitsamt einem großen Informationspaket bei einer Diskussionsrunde vor kleinem, aber feinen Publikum in Ladiges Gasthof ausbreiteten.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2012 | 21:30 Uhr

Rund 900 Hausärzte gehen in nächster Zeit in Pension, 21 Arztpraxen von Allgemeinärzten sind schon jetzt nicht mehr besetzt. Und es kommt noch bedrohlicher: 25 Prozent der Hausärzte in Schleswig-Holstein sind älter als 60 Jahre, weitere 25 Prozent sind unter den 55- bis 59-jährigen und nur jeder fünfte ist jünger als 45 Jahre. Da schrillen die Alarmglocken für die Zukunft, denn besonders für die dünn besiedelten Gebiete an der Westküste ist der ärztliche Notstand bereits Tatsache, die Zukunft der Ärzteschaft in Kleinstädten und auf dem flachen Lande sieht alles andere als rosig aus. Selbst ein Fach- und Allgemeinarzt aus Wedel, der aus Interesse nach Holm gekommen war, berichtete: „Wir verdienen einfach nicht genug, unsere hohen Investitionen für die Einrichtung einer Praxis lohnen sich nicht.“ In Krankenhäusern wird nach Fallpauschalen bezahlt, bei niedergelassenen Ärzten nach Punkten und mit Budgetierung, daher können die oftmals ohne ihre Privatpatienten gar nicht existieren.

Wie wichtig eine gute ärztliche Versorgung in Kleinstädten und deren dörflicher Umgebung ist, schilderte Thomas Hölck. Eine Stadt müsse mit guter ärztlicher Versorgung aufwarten, sonst würden ansiedlungswillige Betriebe im Sinne ihrer Arbeitnehmer gleich abwinken, eine breit gefächerte schulische, kulturelle und ärztliche Versorgung sei Voraussetzung für den Zuzug von jungen Familien und eine gute Infrastruktur.

Und das will die SPD unternehmen, um die ärztliche Versorgung zu verbessern: Einrichtung von zentralen Gesundheitszentren, in denen Fachärzte, stationäre und ambulante Versorgung und die Krankenversicherung eingebunden sind. Der Hausarzt soll quasi wie ein Lotse agieren können und die medizinischen, pflegerischen und sozialen Maßnahmen koordinieren und das alles auch bezahlt bekommen. Einrichtung einer Bürgerversicherung, in die alle Menschen entsprechend ihrem Einkommen einzahlen, vor allen Dingen auch die Privatpatienten, denn die privaten Krankenversicherungen stehen kurz vor der Pleite. Ebenso wichtig sei es, dass alle Krankenhäuser in allen Bundesländern die gleichen Basisfallpauschalen erhalten, denn gerade in Schleswig-Holstein bekommen die hoch gefährdeten Krankenhäuser zurzeit immer noch weniger als in allen anderen Bundesländern. Besondere Beachtung schreibt die SPD in ihren Zukunftsplänen der besseren Versorgung mit psychatrischen Praxen zu.

Ein weiteres Feld für die Sozialdemokraten ist die Verbesserung der Altenpflege. Hier gelte es, mehr Möglichkeiten zur Qualifizierung zu schaffen und damit dem Beruf mehr gesellschaftliche Anerkennung zu ermöglichen, dazu komme die Abschaffung der Minutenpflege hin zur an den Patienten orientierten Pflege.

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