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Uetersener Nachrichten

17. August 2017 | 02:19 Uhr

Ehrenamt : Ohne Versicherung zum Arzt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es geht um eine medizinische Erstversorgung und den Versuch, Menschen wieder in das Gesundheitssystem zu integrieren: In der vergangenen Woche ist in Elmshorn die erste offene Arztpraxis im Kreis Pinneberg eröffnet worden. Ab sofort werden hier einmal in der Woche Menschen betreut, die nicht krankenversichert sind.

Das niederschwellige Angebot, getragen vom Verein „RegioMobil – Regionale medizinische Hilfe in Notlagen im Kreis Pinneberg“ ist nicht zu verwechseln mit dem von den RegioKliniken betriebenen RegioMobil, eine Art mobile Arztpraxis, die zwischen den 16 Obdachlosenunterkünften im Kreis pendelt.

Die Praxis hat neben einer anderen Zielgruppe vor allem einen anderen Ansatz: Es geht um die Rückführung der Betroffenen in das deutsche Gesundheitssystem, nicht um eine fortlaufende kostenlose Betreuung. „Nach der Gesetzeslage dürfte es in Deutschland keine Menschen ohne Krankenversicherung geben“, sagte Ulrich Grobe, Vorsitzender des 2013 gegründeten Trägervereins.

Mit der offenen Arztpraxis soll vor allem Selbstständigen, die die Prämien zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht zahlen können oder wollen, sowie Menschen ohne einen offiziellen Aufenthaltsstatus die Möglichkeit geboten werden, bei gesundheitlichen Problemen einen Arzt zu kontaktieren. „Wir wollen weder in Konkurrenz zu den Einrichtungen des Gesundheitssystems treten noch ein paralleles System aufbauen“, so Grobe. Im Klartext geht es darum, die Hilfesuchenden möglichst schnell an Fachärzte weiterzuleiten und nach Möglichkeiten zu suchen, wie das gehen könnte. Dabei wird es auch auf das Improvisationstalent der Akteure ankommen, denn feste Hilfsstrukturen gibt es bislang nur bedingt.

Wer zurück in das Gesundheitssystem möchte, findet hier außerdem Hilfen zur Überwindung bürokratischer Hürden. Wer kommt, zahlt nichts und wird auf Wunsch anonym behandelt, kann allerdings keinen Rundum-Service erwarten. Apparategestützte Untersuchungen und Behandlungen sind in der Praxis mit dem Namen „Sozius“ nicht möglich.

Die ehrenamtliche Betreuung der Hilfesuchenden hat vorerst der Uetersener Arzt Dr. Marc Dupas übernommen, der von seiner Arzthelferin Ilka Schulz unterstützt wird. „Uns geht es nicht darum, hier eine gut laufende Praxis aufzubauen, sondern kurzfristige Hilfe anzubieten“, sagte er.

Immer montags von 18 bis 19 Uhr ist er im Elmshorner Haus der Begegnung, Hainholzer Damm 11, für die Patienten da. Wie viele das Angebot wahrnehmen werden, ist unklar. Ebenso, wie viele Menschen ohne Krankenversicherung es im Kreis Pinneberg überhaupt gibt.

Dass diese Praxis gebraucht wird, scheint dagegen sicher: Schon am Tag der Eröffnung kamen drei Patienten. Zwei von ihnen bekamen von Dupas den Rat, ein Krankenhaus aufzusuchen. „Es ist wichtig, dass wir dieses Angebot haben und den Menschen zeigen, dass wir für sie da sind. Aber am liebsten wäre es uns natürlich, wir würden nicht gebraucht“, sagte Marc Dupas.

Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, wer in die Betreuung der Patienten mit einsteigt. Aber es gibt Ärzte, die bereits signalisiert haben, diese Aufgabe mit Dupas zu teilen. „Ich hoffe, dass wir uns bald abwechseln können“, sagte der Uetersener Allgemeinmediziner mit eigener Praxis. Wer mithelfen möchte, kann sich an Ulrich Grobe unter der Telefonnummer 04101/3737904 wenden.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 19:49 Uhr

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