DRK-Jubiläum : Ohne Geld ist kein Ehrenamt möglich

Vor 75 Jahren ist der DRK-Ortsverein aus der Taufe gehoben worden. Fast auf den Tag genau vor 150 Jahren wurde der Württembergische Sanitätsverein, ein Vorläufer des DRK gegründet. Diese Jubiläen sind mit einem Empfang in der Feuerwache begangen worden.

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11. November 2013, 19:10 Uhr

Die Laudatio hielt der DRK-Kreisvorsitzende Wolfgang Krohn. Er schlug einen großen Bogen von den Wurzeln des Roten Kreuzes in der Versorgung der Verwundeten über die Veränderungen in der Gesellschaft hin zu der modernen Hilfsorganisation, die das DRK heute ist. „Überwiegend ehrenamtlich“ werde die Arbeit heute getragen. 400000 Menschen wirkten so für das Rote Kreuz in Deutschland, finanziell unterstützt von drei Millionen Fördermitgliedern. „Ohne Geld“, und für den Heistmer Ortsverein bezog er ausdrücklich die Zuwendung der Gemeinde mit ein, „ist Ehrenamt nicht möglich.“ An die Anwesenden richtete der Kreisvorsitzende den Appell: Werben Sie gern für die Mitgliedschaft.“ Die amtierende Bürgermeisterin Ute Schleiden würdigte die „erfolgreiche Arbeit für das Dorf.“ Die Gemeindevertretung habe seine Wertschätzung fürs Rote Kreuz zum Ausdruck gebracht, in dem ein Raum im Neubau der Feuerwache zur Verfügung gestellt wurde. Einen gebührenden Teil im Jubiläumsprogramm ist dem Jugendrotkreuz gewährt worden. Denn in diesem Frühjahr war es erst zum zweiten Mal gelungen, bei den Landeswettbewerben den ersten Platz zu belegen, lobt die Vorsitzende, der zur Teilnahme an dem Bundeswettbewerb berechtigt. Beim ersten Mal war übrigens Tanja Hartmann noch selber beim JRK aktiv.

Zu dem Empfang waren zahlreiche Vertreter der DRK-Ortsvereine aus der Region, des Kreisverbandes sowie der örtlichen Politik und Feuerwehr gekommen. Die Heistmer hatten ihre wechselvolle Geschichte sowie die heutige Arbeit an Stellwänden dokumentiert. Geschenke hatten die Besucher mitgebracht, doch die Jubilare wollten ihrerseits die Gelegenheit nutzen, um etwas zu geben. Aus dem Zinserlös der für Katastrophen vorgehaltenen Rücklage gingen 250 Euro an den örtlichen DRK-Kindergarten, da man sich ein neues Klettergerüst anschaffen möchte.

Amüsant wurde der Abschluss des Nachmittags von einem Uetersener DRKler gestaltet. Stefan Preck trug satirische Kurzgeschichten vor, die sich mit der Arbeit in der Organisation beschäftigen. So skizzierte er nicht nur, was bei einer Übung alles schief gehen kann, sondern näherte sich dem Thema Blutspende auf eine ganz eigene Art. Sein Tipp: Man muss den Ort mit dem besten kulinarischen Angebot wählen.

75 Jahre DRK-Geschichte im Zeitraffer

Ein Reichspfennig ist vor 75 Jahren bezahlt worden, und es wurde bekannt gemacht, dass Johannes Thies zum ersten Vorsitzenden des DRK in Heist gewählt wurde. Damit stand die Gründung des Ortsvereins fest, berichtete die Vorsitzende Tanja Hartmann während des Jubiläumsempfangs aus der Geschichte. 33 Mitglieder hatte der Heistmer Verein 1938. Auslöser war ein Erlass der Reichsregierung, mit dem verschiedene karitative Einrichtungen zu einer einheitlichen Organisation zusammengeführt werden sollten. Viele Menschen sind vom Heistmer DRK in Zusammenarbeit mit dem Bereitschaftszug Neuendeich Ost in Erster Hilfe ausgebildet worden, die während des Zweiten Weltkriegs in Lazaretten eingesetzt wurden.

1941 übernahm Anni Siemonsen die Leitung, berichtete Tanja Hartmann, 1944 ging diese an Else Riedemann über.

Andere Aufgaben hatte die Vorsitzende Loddi Klage und ihre Mitstreiter ab 1948 zu bewältigen. Für Flüchtlinge musste eine neue Bleibe geschaffen werden. Spenden von anderen Rotkreuz-Organisationen, etwa aus Schweden, Irland, Schweiz und den USA waren nach klaren Vorgaben zu verteilen. Der DRK-Suchdienst schickte viele Formulare. Für die Heistmer Rotkreuzler bedeutete dies auch, dass sie Todesnachrichten überbringen mussten, erklärte Tanja Hartmann. 1956 bis 1961 stand Frau Heyland an der DRK-Spitze, es folgte Günther Brüggmann. In seine Amtszeit fiel die Gründung des Jugendrotkreuzes. Tanja Hartmann erinnert an die Anschaffung eines roten VW-Busses, der einen legendären Ruf genoss und mit dem das JRK unterwegs war, Senioren zum Kaffeenachmittag abgeholt sowie Altkleider gesammelt wurden.

1991 übernahm Loddi Hartmann, Mädchenname Klage die Spitze. Ihre Töchter Claudia und Tanja sorgten im gleichen Jahr mit einer Aktion während des Dorffestes dafür, dass eine Kindergruppe im Jugendrotkreuz gegründet werden konnte. 2003 legte Loddi Hartmann die Aufgabe in jüngere Hände, nämlich in die ihrer Tochter. „Dass dies schon zehn Jahre her ist, kann ich kaum glauben“, so Tanja Hartmann. (tp)

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