Ölwehrübung: Gut gerüstet?

3551421_800x600_5050d45fb8854.jpg

Am 1. September fand auf der Elbe zwischen Glückstadt und Wedel eine große Ölwehrübung statt (wir berichteten). Das gestellte Szenario beinhaltete auch getrandete und vor allem aber verölte Seevögel, mit deren Vorhandensein umgegangen werden muss. Eine Nachfrage der UeNa beim Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz ergab, dass im Rahmen dieser Übung allerdings nur das Einsammeln verölter Vögel geübt wurde, da schon diese Tätigkeit für die Beteiligten Helfer Gefahren birgt. Nicht geübt hingegen wurde die Umgang mit den Vögeln selbst, die je nach Öl-Verunreinigung einer besonderen Behandlung zur Ölbefreiung bedürfen. Der Landesbetrieb wies darauf hin, dass mit dem deuschen Tierschutzbund zusammengearbeitet werde und verölte Vögel ohnehin in eine Auffangstation nach Kappeln verbracht würden. Außerdem halte man sich an die vom Land Schleswig-Holstein im Jahre 2009 herausgegebene Leitlinie zur Behandlung verölter Seevögel.

Avatar_shz von
12. September 2012, 20:26 Uhr

Nicht in diese Übung eingebunden wurden allerdings die Spezialisten der Arbeitsgemeinschaft zur Rettung verölter Seevögel. Katharina Neeb, die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft bedauerte dies. Denn obwohl der Tierschutzbund selbst seine Mitarbeiter zu Fortbildungen genau dieser Arbeitsgruppe schickt und daher offenbar vom Know-how des bundesweiten Bündnisses überzeugt ist, war seine Teilnahme an der Ölwehrübung nicht gefragt.

Und das, obwohl dem Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsministerium bereits seit 2010 das Notfallkonzept der Arbeitsgemeinschaft zur Rettung verölter Seevögel vorliegt. Das Konzept zeigt detailliert den Ablauf und die Parameter einer professionellen Versorgung verölter Vögel unter veterinärmedizinischer Leitung auf und orientiert sich an den Strukturen des Landes.

„Unser über Jahre erworbenes Fachwissen und unsere Expertisen sind international sehr gefragt. Unser Notfallteam wurde schon zu vielen Einsätzen im Ausland gerufen, aber hier im eigenen Land werden wir immer wieder hingehalten und ausgebremst“, so Katharina Neeb.

Sascha Regmann, Kollege von Neeb und stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ergänzt: „Im Falle einer Ölpest mit Hunderten von verölten Seevögeln würden diese nach unseren derzeitigen Kenntnissen getötet“.

Die vom Tierschutzbund in Kappeln betriebene Auffangstation habe bei weitem nicht die bei einer schon nur mittelgroßen Ölkatastrophe notwendigen Kapazitäten, erklärte der Verein weiter.

Man hofft nun, dass durch den politischen Wechsel in Kiel ein neuer Wind einkehrt, der es dem Verein zukünftig ermöglicht, betroffenen Vögeln professionell helfen zu dürfen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert