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Rinderstall in Haseldorf : Nussknacker mit viel Puste

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mit Tönen von wahren Elfengesängen bis schrill – ungewöhnlich, wie sollte es auch anders sein - nahm das Publikum Abschied von den Konzerten dieser Saison des Schleswig-Holstein Musik Festivals im Haseldorfer Rinderstall.

Zum letzten Mal in diesem Sommer erlebten die Menschen in dem Festspielort mit der besonders gastfreundlichen und ungezwungenen Atmosphäre den Glanz ganz großer musikalischer Kunst. Und die spiegelte sich nicht nur in der Begeisterung der Zuhörerinnen und Zuhörer wider, sondern auch im Glanz der blitzenden Instrumente der 14 Berliner Flötisten, die gemeinsam mit dem Moderator Klaus Wallendorf mit einer überraschenden Vielfalt unterhielten. Nun ist ein reines Ensemble aus Flötenspielern eh schon eine Seltenheit, noch seltener hingegen sind einige Instrumente, die die Berliner da auf die Bühne packten und mit ihnen ein furioses Klangerlebnis zelebrierten: Da sind einmal ganz vorne die über mannsgroße Subkontrabassflöte und die etwas kleinere Kontrabassflöte, beide mit den zur Triangel gebogenen Kopfstücken, dann die Bassflöten mit den nach oben gebogenen Mundstücken und dem Umfang einer Pythonschlange. Von diesen seltenen Exemplaren gibt es auf der Welt nur ganz wenige, hier in Haseldorf waren davon schon eine ganze Handvoll vereint.

Die Musiker haben zu Ehren Tschaikowskys ein vorwiegend russisches Programm zusammengestellt, nahezu alle Werke, die sie vortragen, sind aber durchaus nicht für den virtuosen Flötenklang geschaffen worden. Speziell für die Flöte ist eigentlich nur der „Tanz der Rohrflöten“ aus der „Nussknacker-Suite“ von Peter Tschaikowsky – ein Selbstgänger für die elf Männer und drei Frauen des originellen Ensembles, die alle aus renommierten Berliner Orchestern stammen. Beeindruckend orientalisch der „Arabische Tanz“ aus der Nussknacker-Suite, aber auch so bekannte Stücke wie der „Hummelflug“ von Rimsky-Korssakoff erklingen, nicht so rasend schnell in Rekordzeit wie auf der Violine von David Garrett, aber mit enormen Klangvolumen, genau wie der berühmte Säbeltanz von Aram Khatchaturian oder ganz zu Anfang die perlenden Läufe der Ouvertüre zu Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“. Ganz fein kommen die Berliner mit Antonin Dvoŕáks Serenade in d-Moll daher, bei Siegfried Matthus „Des Meeres und der Flöten Wellen“ wird das leichte Wellenschaukeln dann auch mal zum schrillen Sturmpfeifen – tja, einschlafen kann bei diesem Konzert niemand. Witzig und charmant leitete Moderator Klaus Wallendorf im Sinne eines „Loriots“ durch das Programm, radebrechte ein wenig russisch und nahm russische Seele und Trink-Kultur gekonnt auf den Arm.

Beim anschließenden Künstler-Empfang des Prinzen, Udo von Schoenaich-Carolath-Schilden, erwies sich die große Flötisten Familie als ausgesprochen sympathisch. So liebevoll, waren sich die Musiker einig, waren sie noch nie in einem Spielort umsorgt worden.

Der Prinz bedankte sich nach diesem letzten so erfolgreichen Konzert bei all seinen Helfern, Vivi und Florian Ehlers vom Haseldorfer Hof, der Haseldorfer Feuerwehr und den Sanitätern vom DRK und allen anderen, die ihm sonst noch helfen, die gastfreundliche Atmosphäre bei sämtlichen sechs, immer nahezu ausverkauften Konzerten, aufrecht zu erhalten. Wer nicht zu Wort kam, waren die Konzertbesucher, sie verdanken dem Prinzen und allen Künstlern einen erlebnisreichen und wunderschönen Konzertsommer.

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erstellt am 25.Aug.2015 | 21:01 Uhr

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