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Jüdische Gemeinde : Nur ein Toraschreiber kann Verfall stoppen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Das wertvolle Stück hat seinen Platz in einem einfachen Holzschrank und wird durch einen Überzug aus blauem, aufwändig besticktem Samt geschützt. Die Torarolle der Jüdischen Gemeinde Pinneberg ist, das besagen vorsichtige Schätzungen, an die 200 Jahre alt, hat einen langen Weg hinter und hoffentlich auch noch vor sich.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 18:28 Uhr

Wie lang, das wird auch davon abhängen, ob es gelingt, in den nächsten Monaten das Geld für die dringend notwendige Restaurierung zusammen zu bekommen. Mindestens 12000 Euro wird die Aufarbeitung kosten, für die ein Toraschreiber aus den USA kommen muss. Möglicherweise würde diese Summe sogar reichen, eine zweite (gebrauchte) Rolle zu kaufen.

15 Kilogramm wiegt die Torarolle der Pinneberger Jüdischen Gemeinde, enthält die fünf Bücher Moses in althebräischen Schriftzeichen und besteht aus einzelnen Pergamentblättern, die zu einer Rolle zusammengefasst wurden.

„Wie lang unsere Rolle ist, wissen wir nicht. Wir haben sie nie komplett ausgerollt“, sagte Wolfgang Seibert, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pinneberg mit ihren 260 Mitgliedern. 100 Meter Länge wird sie aber wohl haben, schätzt er. Was er sicher weiß: Einige Pergamentblätter sind eingerissen und lösen sich vom Untergrund, einzelne Buchstaben sind nicht mehr lesbar.

Dass die Torarolle erst jetzt einer Ausbesserung bedarf, spricht für ihre Qualität. Offenbar stammt sie irgendwo aus Norddeutschland, „genauer wissen wir es nicht“, so Seibert. Möglicherweise war ein amerikanischer oder englischer Schreiber der Urheber, denn in diesen beiden Ländern sitzen die mit Abstand Besten ihres Fachs.

Recherchen ergaben, dass die Rolle in den 1930er Jahren vor den Nazis in England in Sicherheit gebracht wurde, von dort erst in die USA und dann nach Israel kam, bevor sie schließlich wieder über die USA nach Pinneberg gelangte.

Seibert würde gerne den für das kommende Jahr angekündigten Aufenthalt eines amerikanischen Toraschreibers in Norddeutschland nutzen, die Rolle ausbessern zu lassen. Vorausgesetzt, bis dahin kommt genug Geld zusammen! Die Gemeindeglieder können kaum helfen, denn 200 von ihnen sind auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Aber immerhin: 3000 Euro hat die Gemeinde schon zusammen, weitere 1500 Euro sind zugesagt. „Wir hoffen jetzt einfach, dass die Rolle noch ein wenig durchhält, damit wir weiter sammeln können.“ Wer spenden möchte, kann das auf das Konto der Jüdischen Gemeinde Pinneberg bei der Sparkasse Südholstein, IBAN: DE51 2305 1030 0005 5066 39, tun.

Auf Wunsch werden die Spender auf einer an der Synagogenwand befestigten Tafel genannt. Wolfgang Seibert steht für Rückfragen unter Telefon 04101/837706 gerne zur Verfügung.

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