Niederlagen vermeiden

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Ganz oben über dem Vortrag von Professor Dr. Peter Struck, emeritierter Erziehungswissenschaftler von der Universität Hamburg, stand auf der Bühne der Mensa in der Klaus-Groth-Schule ein Satz von Konfuzius: „Erzähle es mir und ich vergesse, zeige es mir und ich erinnere, lass es mich tun und ich verstehe“. Der Hamburger Professor, der unermüdlich landauf, landab für das „Neue Lernen“ die Werbetrommel rührt, nimmt diese uralte Weisheit als Ausgangspunkt für ein modernes Umdenken in der auf jeder Pisa-Studie hinterherhinkenden Bildungspolitik in Deutschland.

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25. September 2011, 21:34 Uhr

Nach Tornesch geholt hatte ihn Thomas Heuer aus dem Vorstand des KGS-Schulelternbeirates, die sich bereits in vielen Bereichen von den althergebrachten „Belehrungsanstalten“ - wie Struck sie nennt – abgegrenzt und neu orientiert hat.

Aber es wachsen immer noch viel zu viel junge Menschen mit der Beschämungskultur des dreigliedrigen Schulsystems auf, müssen Fünfen und Sechsen, rote Tinte, Sitzenbleiben und unendlich viele andere Niederlagen hinnehmen. Ausgesiebt und getrennt von Freunden, die sie bestenfalls schon aus dem Kindergarten kennen, erleben sie, dass der Gymnasiallehrer hier weiß, dass er den schwierigen Karl-Otto immer wieder los werden kann, der Lehrer in Finnland hingegen ist sich sicher, dass er sich um Jane kümmern muss, denn er behält sie bis zum Ende ihrer Schulzeit.

In Skandinavien gibt es kein Sitzenbleiben, Noten erst ab Klasse 9. In Schleswig-Holstein kostet das Sitzenbleiben 1,8 Millionen Euro pro Jahr – Geld, das für zusätzliche und andere Ausbildung von Lehrern und Erziehern sicher sinnvoller und nachhaltiger angelegt wäre. Professor Struck geht sogar soweit, dass er sich selbst und seine Kollegen Lehrer in Frage stellt. „Wir überschätzen den Wert des Lehrers“ sagt er, „Lehrer sollten nur anregen, am meisten lernen die Kinder durch eigene Aktivitäten (90 Prozent), am wenigsten durch Lesen mit zehn Prozent, durch Hören 20 Prozent, durch Sehen 30 Prozent, durch Sehen und Hören 50 Prozent, durch selber Sagen 80 Prozent. Das haben Hirnforscher herausbekommen. Struck nannte als Voraussetzung für das „Neue Lernen“ eine sechsjährige gemeinsame Grundschule, am besten noch eine Vorschule im Kindergarten. Kinder seien eigentlich von Natur aus immer mit Handeln beschäftigt und angeregt und mit Unterrichtsmaterial vom Lehrer versorgt, sei das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Verantwortung, das Gelernte selbst erklären zu können und sich zwischen Kindergarten, Schule und Berufspraktika frei entscheiden und vernetzen zu können, wichtig. So wichtig wie das Lernziel für die Lehrer in Skandinavien, das auf zwei Seiten zusammengefasst ist. Für die Lehrpläne der Pädagogen hierzulande brauche er indessen bereits einen Kleintransporter, um sie hier einmal zeigen zu können.

Das sei in einigen Schulen aber auch gar nicht nötig, schloss Professor Struck, „denn gute Schulen machen vieles, was sie laut Kultusministerium eigentlich nicht dürfen.“

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