zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

22. August 2017 | 05:50 Uhr

Nachwuchssorgen : Niedergang des Kulturvereins

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

20 Jahre hat es gedauert, den Kulturverein Haseldorfer Marsch zu dem zu machen, was er heute ist! Gerade mal eineinhalb Stunden dauerte es am Freitag, sein vorläufiges Ende zu besiegeln. Weil sich niemand fand, der die Vorstandsarbeit fortführen möchte, wird jetzt die Auflösung in die Wege geleitet. Derweil dürfte hinter den Kulissen fieberhaft an einer Rettung gearbeitet werden. Ob das gelingt, ist offen.

Mehr als 160 Mitglieder hat der Kulturverein Haseldorfer Marsch, 26 von ihnen saßen am Freitag während der Hauptversammlung in der Bandreißerkate, deren Schicksal in gewisser Weise eng mit dem des Vereins verbunden ist. Fast alle waren jenseits der 60 und aus diesem Grund nicht bereit, sich im Vorstand zu engagieren. Weil sich weder ein Vorsitzender noch ein Stellvertreter fand, brach Sitzungsleiterin und amtierende Vizechefin Maria Westphal die Wahlen frühzeitig ab.

Dabei hatte sie gleich zu Beginn für den Verein geworben: „Haus und Hof sind gut bestellt, die Schulden sind Ende des Jahres abbezahlt“, sagte sie und versprach, der amtierende Vorstand werde nicht sofort aufhören, stehe den neuen Vorstandsmitgliedern nach einer Übergangsphase gerne noch mit Rat und Tat zur Seite. Allerdings machte sie auch unmissverständlich deutlich, dass zumindest für sie und die für Veranstaltungen zuständige Ilse von Stamm spätestens Ende des Jahres Schluss sein, soll. Der Posten des 1. Vorsitzenden ist schon seit mehr als einem Jahr vakant, nachdem sich Niels-Peter Rühl aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte (UeNa berichteten). Schriftführerin Inge Drewel wäre bei der Hauptversammlung im kommenden Jahr nicht mehr angetreten. Offenbar hatte der Vorstand das Personalproblem kommen sehen und nicht nur persönlich, sondern auch schriftlich für Mitarbeit geworben: Mehr als 1000 Briefe sind an die Haushalte Haselaus und Haseldorfs verteilt worden.

Am Ende blieb vor allem Ratlosigkeit gemischt mit einem Hauch Bitterkeit. „Vielleicht müssen wir einfach anerkennen, dass der Markt gesättigt ist“, sagte Maria Westphal. Offenbar, so die stellvertretende Vorsitzende weiter, sei Kultur für die meisten Menschen nicht mehr als ein Konsumgut. „Hingehen, genießen und nach zwei Stunden wieder gehen – dann ist Kultur schön.“

SPD-Gemeindevertreter Boris Steuer sah es pragmatisch: „Der Schritt in Richtung Vereinsauflösung ist richtig, denn wenn sich in den Reihen der Mitglieder keiner für die Vorstandsarbeit findet, hat der Verein wohl nicht ausreichend Potenzial.“ Es sei an der Zeit, glasklar zu kommunizieren: „Wenn ihr euch nicht engagiert, ist der Veren hier leider zu Ende.“ Und damit auch die Gruppen wie der plattdeutsche Krink, die Kunst-Werkstatt für Kinder oder die Kreativkurse für Erwachsene.

Einer allerdings mochte die Flinte noch nicht ins Korn werfen: „Wir wollen den Verein unterstützen und am Leben erhalten“, sagte Haseldorfs Bürgermeister Uwe Schölermann, der auch die Zukunft der historischen Kate im Auge hat. Mit seinem Amtsvorgänger Heinz Lüchau war er sich einig, dass das Gebäude nicht über einen längeren Zeitraum leer stehen darf. „Dann verfällt es ganz schnell“, so Lüchau. In vier Wochen wird es nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben, auf der die Vereinsauflösung offiziell beschlossen wird. Dann bleibt theoretisch ein Jahr Zeit, um diesen Beschluss rückgängig zu machen, falls sich doch ein neuer Vorstand findet.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Feb.2015 | 23:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert