Urteil : Nicht nachweisbar

Freispruch im Prozess um eine Stuhlattacke bei McDonald's in Elmshorn. „Die Zweifel gehen zugunsten der Angeklagten“, sagte gestern Richter Jörg Diestelmeier. Faton H. aus Uetersen und Erdilon T. aus Pinneberg sei eine Beteiligung nicht nachzuweisen. Lächelnd verließen sie das Gebäude des Amtsgerichts in der Krückaustadt. Beide sind nicht vorbestraft.

shz.de von
10. Januar 2012, 21:21 Uhr

Drei Männer aus Groß Nordende, Elmshorn und Hamburg hatten im Zeugenstand berichtet, dass sie am 21. Mai frühmorgens in dem Schnellrestaurant an der Kasse mit Stühlen beworfen und verletzt worden seien (die UeNa berichteten). Der Hamburger bezeichnete mehrmals die Angeklagten als Täter.

Der Staatsanwalt glaubte ihm. „Ich halte sie wegen gefährlicher Körperverletzung für überführt“, sagte Andreas Neubauer. Die Beschuldigten hatten jede Schuld abgestritten. Erdilon T. forderte Freispruch. Doch der Staatsanwalt hielt ihn für unglaubwürdig. Der 24-Jährige hatte behauptet, nach dem Vorfall auf die Polizei gewartet zu haben. Dagegen will Polizeihauptmeister Frank Derdak ihn vor der McDonald's-Filiale angehalten haben. Neubauer beantragte die Mindeststrafe von sechs Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von jeweils 500 Euro. Doch dem Richter reichte die Aussage des Hamburgers nicht. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich irrt – morgens um 3 Uhr bei McDonald's“, sagte er. Außerdem konnten sich weder die anderen Verletzten noch sieben weitere Zeugen erinnern, von wem der Angriff ausging.

„Ich weiß nicht... Bei uns sind so viele Schlägereien im Laden“, stammelte gestern McDonald's-Mitarbeiter Henrik H. Der 29-Jährige war trotz zweimaliger Ladung nicht vor Gericht erschienen. Die Polizei musste ihn hinbringen.

Seine Kollegin Verita F. sagte, dass sie den Aufprall nur eines Stuhles gehört habe. Sie habe hinter dem Tresen mit dem Rücken zur Kasse gestanden. Damit stützte die 22-Jährige die Version der Angeklagten. Die hatten behauptet, auf dem Weg von der Disco Fun zu McDonald's einen unbekannten Verletzten aufgegriffen zu haben. Kaum sah er die drei Männer, habe er einen Stuhl auf sie geworfen.

Richter Diestelmeier beklagte gestern nochmals die polizeilichen Ermittlungen. Der unbekannte Dritte entwischte. Das Überwachungsvideo mit Aufnahmen des Kassenbereichs wurde gelöscht. „Eine zeitnahe Befragung der Zeugen hätte andere Ergebnisse erbracht“, so der Richter. Dann hätte niemand sagen können, dass man sich nicht mehr erinnern könne.

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