Idee : Neue Tochter in Planung

Die Kleinen haben’s schwer. Dieser Satz gilt in vielen Bereichen des Lebens und vor allem aber auch in der Wirtschaft. Und dazu zählen ja seit der Liberalisierung des Energiemarktes auch die Gas- und Stromversorger. Zwar wurden in den vergangenen Jahren von Expertenseite oft Unkenrufe laut, von den in Deutschland rund 900 kleinen Stadtversorgungswerken werde es schon bald nur noch wenige geben. Dies allerdings hat sich bisher nicht bewahrheitet, vielmehr stecken eher die Platzhirsche wie RWE und Konsorten in finanziellen Schwierigkeiten und schreiben teilweise rote Zahlen.

shz.de von
10. Juni 2014, 20:09 Uhr

Damit jene Unkenrufe von den immer weniger werdenden Stadtwerken sich zumindest aber nicht für Pinneberg bewahrheiten, verfolgt man bei den dortigen Stadtwerken gemeinsam mit der GAB (Gesellschaft für Abfallwirtschaft & Abfallbehandlung) in Tornesch Ahrenlohe eine Idee: Um Synergieffekte zu erreichen und auch in Zukunft einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten, haben die beiden Unternehmen eine gemeinsame Absichtserklärung, zur Gründung einer gemeinsam verwalteten Tochtergesellschaft verfasst, einen sogenannten „Letter of intend“, worin zunächst sehr grob umrissen wurde, was Unternehmensgegenstand jenes neuen Energieunternehmens sein soll. Jens Ohde, Geschäftsführer der GAB: „Im Grunde geht es um eine Gleichschaltung der Interessen. Wir als GAB haben das Interessse, Abfall zu behandeln und Wärme zu erzeugen und zwar immer dann, wenn wir das wollen. Die Stadtwerke Pinneberg hingegen müssen die Wärmevesorgung für ihre Kunden gewährleisten. Wir glauben, dass hier viel Optimierungspotenzial steckt, vor allem dann, wenn man seine beiden Systeme in eine Richtung ausrichtet.“ Der Geschäftsführer der Pinneberger Stadtwerke ergänzt: „Mit der gemeinsamen Gesellschaft wollen wir langfristig eine ökologische Energieversorgung der Stadt Pinneberg sicherstellen.“

Aber neben abstrakten, schwer greifbaren und gesellschaftsrechtlich für den Endkunden im Grunde auch irrelevanten Verquickungen der beiden Unternehmen ist vor allem interessant, was kommen soll: Bislang versorgen die Stadtwerke etwa 3500 Haushalte mit Fernwärme. Der größte Teil dieser Energie kommt aus der Müllverbrennungsanlage in Tornesch. Zum einen soll diese schon bestehende Zusammenarbeit noch ausgebaut werden, zum Anderen ist geplant, Biogas zu produzieren, wozu die Errichtung einer Bioabfall-Vergärungsanlage geplant ist. Außerdem sollen Speicherlösungen entwickelt werden, um Spitzen abzumildern. Für die Kunden dürfte sich wenig Greifbares ändern, allerdings darf ein Gesichtspunkt nicht außer acht gelassen werden: Um am Markt weiter bestehen zu können und auch weiterhin das Stück Kuchen vom (nicht wachsenden) Energiesektor abzubekommen, muss ein Unternehmen beweglich und innovativ sein und bleiben.

Das alles könnte am Ende für den Kreis Pinneberger Kunden Vorteile haben, weil ihm sein lokaler Energielieferant erhalten und ihm dann ein Ausweichen auf Branchenriesen erspart bliebe.

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