zur Navigation springen

Bilanz nach 100 Tagen : Neuausrichtung muss gelebt werden

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

100 Tage ist er jetzt im Amt, Oberst Markus Kurczyk (50), studierter Diplom-Pädagoge und Soldat der „neuen Generation“ der Bundeswehr. Der Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen spricht von „meiner Familie“, wenn er seine 400 Stammsoldaten und die Lehrgangsteilnehmer meint. Und das hat seinen guten Grund. Kurczyk ist der Ansicht, dass Vorgesetzte Verständnis für die alltäglichen Probleme von Soldaten haben müssen und diese nicht durch Befehl und Gehorsam im Keim ersticken.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2015 | 21:37 Uhr

Gerade junge Menschen wollten ernst genommen werden. Und die Bundeswehr ist auf diese Klientel nach Ende der Wehrpflicht auch angewiesen. Die Truppe sei ein attraktiver Arbeitgeber geworden, der mit der zivilen Welt durchaus konkurrieren könne. Die Nachwuchsgewinnung sei derzeit noch ausreichend. Nach 100 Tagen als Chef der Marseille-Kaserne und zudem Standortältester für die gesamte Region einschließlich Helgoland könne er sagen, dass er von dem, was er vorgefunden habe, positiv überrascht sei. Bislang habe er keine direkte Verbindung zur Schule gehabt. Der Angehörige des Generalstabs wünscht sich nun eine Weiterentwicklung auf den Gebieten, die die Ausbildung berühren.

Die Unteroffizierschule der Luftwaffe ist neben Appen in Heide zu Hause. Heide (II. Lehrgruppe) ist für die allgemeinmilitärische Ausbildung für Unteroffizier- und Feldwebelanwärter und für Fortbildungslehrgänge für Berufsunteroffiziere sowie das Erziehungsseminar für Kompaniefeldwebel zuständig. Appen (I. Lehrgruppe) führt die Ausbildung der Unteroffizier- und Feldwebelanwärter, den Lehrgang für Teileinheitsführer und den Lehrgang „Ausbildungslehre für Lehrfeldwebel“ durch.

Den Ausbildern an beiden Standorten müsse vermittelt werden, dass es auf gleiche Lehrinhalte ankomme. Alle sollten die selbe Vorstellung von dem Produkt haben.

Wenn er sich etwas wünschen dürfe, sei das ein großer Hörsaal für mehrere Hundert Soldaten. Die Offizierschule in Fürstenfeldbruck verfüge über eine solche große Aula, erinnert sich der Oberst noch an seine eigene Ausbildung.

Und auch WLAN müsse dringend installiert werden. Junge Menschen verlangten das. Viele Dinge der heutigen Welt müsse es auch bei der Bundeswehr geben. Die Sechs-Mann-Stube sei sowieso schon lange Geschichte.

Man werde bereits als guter Arbeitgeber geschätzt, wenn man jetzt weiter an „weichen Faktoren“ arbeite, sei der Gehaltsunterschied zu manchen Unternehmen der Privatwirtschaft gar kein großes Entscheidungskriterium mehr bezüglich des Für oder Wider gegenüber der Bundeswehr, ist der Oberst, der wochentags in der Kaserne lebt, überzeugt. Wichtig ist ihm der gute Kontakt „nach draußen“, also zur zivilen Welt. Kasernenmauern gelte es, auch in den Köpfen zu überwinden. Daher spreche er sich für eine offene Kaserne aus. Für 2016 erarbeite er gerade eine Vortrags- und Themenreihe, gepaart mit Ausstellungen, die dem Grundgedanken der Neuausrichtung entspreche.

60 Jahre alt wird dann die Luftwaffe. Und, so Kurczyk, 2016 werde es daher einen Tag der offenen Tür geben. Alle Veranstaltungen, die es im kommenden Jahr unter dem Motto „Gegen Gewalt“ geben wird, sind öffentlich. Die Bundeswehr ist Teil der Gesellschaft und soll auch als ein solcher wahrgenommen werden. Deshalb trägt der Oberst gerne Uniform. Auch außerhalb der Dienstzeit. Die Bundeswehr sei bei vielen Menschen bereits „angekommen“. Nach wie vor aber sei auch viel Nicht- oder Halbwissen spürbar. Das gelte es zu ändern. Für seine Soldaten, auch der Lehrgangsteilnehmer, freue er sich auf eine bereits heiß erwartete Lieferung. Demnächst sollen 1000 Tablets das Kasernentor erreichen. Wenn dann noch das WLAN funktioniere, sei ein weiterer Schritt in Richtung Neuausrichtung geschafft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert