Pinnaumündung : Naturschutz und Nutzung in Balance

Für jedes Bauprojekt braucht Hamburg Ausgleichsflächen, doch innerhalb der eigenen Grenzen wird es eng. Deshalb hat die Stadt in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein Land gekauft, auch in Haselau.

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12. November 2013, 21:34 Uhr

Zwischen dem Pinnau- und dem Elbdeich sowie der Straße Audeich erstrecken sich 64 Hektar Wiesen, von denen der Hansestadt bereits fast zwei Drittel gehören. Noch gelten sie nicht als Ausgleichsflächen, doch die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt arbeitet bereits daran, die Artenvielfalt zu steigern. Je höher die Qualität, umso mehr kann die Fläche ausgleichen.

Die Haselauer hatte das Vorgehen der Behörde bisher jedoch nicht überzeugt. Einige Bürger haben das Land gepachtet und eingewilligt, sich an entsprechende Auflagen zu halten. „Wir haben dagegen an verschiedenen Stellen Anregungen und Bedenken geäußert“, sagte Bürgermeister Rolf Herrmann. Doch am Dienstag stellte Jutta Sandkühler im Umweltausschuss ein Konzept vor, das die Politiker zufriedenstellte. Was überzeugte, war wohl vor allem die Balance zwischen Naturschutz und landwirtschaftlichen Interessen. „Wir wollen die Kulturlandschaft erhalten, nicht eine Wildnis“, betonte Birgit Berthy, Referatsleiterin der Abteilung Naturschutz. Sandkühler unterteilte das Gebiet in drei Teile: Auf den Wiesen unterhalb des Elbdeiches im Westen soll die Artenvielfalt gesteigert werden. Die Grasnarbe soll aufgerissen werden, um die seltene Wiesengerste und Schachblume anzusähen. Auf Düngung soll verzichtet werden.

Das Areal nördlich des Audeichs soll attraktiver für Wiesenvögel werden. Vor dem Winter sollen die Flächen kurz gemäht werden. Dadurch ist der Bewuchs auch im Frühjahr niedrig, sodass sich Vögel gern niederlassen. Gemäht werden soll erst ab Juli. Da die Bodenbrüter im Marschboden nach Nahrung stochern, muss das Erdreich feucht sein. Bei einzelnen Grüppen soll daher die Böschung angeschrägt werden. Etwa jede fünfte soll angestaut werden, sodass das Wasser darin fünf bis zehn Zentimeter hoch steht. Da diese kleinen Gräben 15 bis 20 Zentimeter tief sind, werde das Wasser nicht bis zur Oberkante steigen, betonte Sandkühler.

Möglichst früh im Jahr sollen auf diesen Wiesen Rinder aufgetrieben werden. Eine Herbstpflege mithilfe von Schafen sei sinnvoll, denn auch diese Flächen sollen vor dem Winter kurz sein.

Entlang der Pinnau will die Behörde die sogenannten Ästuare, die Übergänge von Land- und Wasserraum, entwickeln. Ziel ist die Vermehrung des seltenen und daher wertvollen Schierlingswasserfenchels, der strömungsberuhigte Zonen braucht. Dazu sollen Steinschüttungen abgetragen und Prielufer angeschrägt werden.

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