In Uetersen gibt es eine echte Rarität : Naturdenkmäler auf dem Klostergelände

Die Kastanien sind so eng zusammenwachsen, dass sie eine gemeinsame Krone bilden.  
Die Kastanien sind so eng zusammenwachsen, dass sie eine gemeinsame Krone bilden.  

Sieben Naturdenkmäler stehen auf dem Klostergelände, unter anderem eine Buche, drei Kastanien und eine besondere Eiche.

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18. August 2017, 16:00 Uhr

Uetersen | Die Parkanlagen um das Kloster beherbergen gleich sieben Wunderwerke der Natur, denen der Kreis Pinneberg Denkmalstatus zugesprochen hat. Neben den historischen Bauwerken finden sich hier auch viele alte Bäume. Die außergewöhnlichsten von ihnen stellen wir im dritten Teil unserer Serie „Naturdenkmäler in Uetersen“ vor.

Der Rundgang beginnt neben dem Haus der Priörin, dem ältesten Haus der Stadt. Hier ragt eine Purpurbuche mit einer imposanten Krone in den Himmel. Als Mutation der Rotbuche fällt diese Art mit ihrem roten Blattwerk auf. 1969 wurde der Buche im Klostergarten der Denkmalstatus aufgrund ihres Alters zugesprochen.

„Etwa 200 Jahre sollte der Baum heute auf dem Buckel haben“, überlegt Natur-Experte Hans-Albrecht Hewicker, als er die Blutbuche mit fachmännischem Blick begutachtet. Über 20 Meter ist sie hoch, ihr Stamm hat einen Umfang von etwa 4,5 Meter. „Für eine Buche ist das ein gewaltiger Baum“, betontHewicker. Denn Buchen werden meist nicht so alt, um so groß zu werden. Es ist anzunehmen, dass die Blutbuche noch weiter wächst, denn sie erfreut sich Hewickers Einschätzung nach bester Gesundheit. Ein perfektes Dreieck bilden die drei Rosskastanien im Klosterhof. Es ist davon auszugehen, dass sie bewusst in dieser Anordnung gepflanzt worden sind. Denn sie stehen so eng beieinander, dass sie zusammen eine gemeinsame Krone bilden. Diese Formation macht sie so besonders, dass sie zum Naturdenkmal erklärt wurden.

Aber auch die Schönheit und das Alter der Bäume spielten bei der Aufnahme eine Rolle. Denn eigentlich werden Kastanien zwischen 80 und 100 Jahre alt. Im Vergleich zu Eichen ist das eine geringe Lebenserwartung. Doch diese drei im Klosterpark sind deutlich älter, Hewicker schätzt sie auf 150 bis 200 Jahre.

Wahrscheinlich älteste Kastanien der Stadt

Damit sind sie die wahrscheinlich ältesten Kastanien der Stadt, wie Hans-Jürgen Raddatz, Sachberarbeiter für Naturdenkmäler im Kreis Pinneberg, bestätigt. Wie lange die drei Kastanien noch erhalten bleiben, können die beiden Natur-Experten jedoch nicht sagen. Denn ihr Gesundheitszustand sei sehr bedenklich. Alle drei Bäume sind stark von der Miniermotte befallen. Das sind Parasiten, die Kastanienblätter solange zerstören, bis sie keine Photosynthese mehr betreiben können und abfallen. Hat die Miniermotte erst einmal zugeschlagen, kann der Gärtner nicht mehr viel gegen den Verfall tun.

„Dennoch sind die drei Kastanien noch erstaunlich vital“, bekundet Hewicker. Einer der Bäume hat sogar einen Blitzschlag überstanden, der ihn von oben bis in den Boden hinein durchzogen hat. Seit geraumer Zeit überwallt die Kastanie diese Verletzung, was bedeutet, dass sie das abgestorbene Holz in ihren Wuchs mit einbaut. Das lässt diesem Naturdenkmal weitere Besonderheit zukommen.

Geschlitztblättrige Eiche ist etwas besonderes

Nur ein paar Schritte neben den drei Kastanien findet sich eine wahre Augenweide: Eine geschlitztblättrige Eiche. Auf den ersten Blick ist sie für den Laien gar nicht als Eiche erkennbar. Ihr Kennzeichen – das feine, tief eingeschnittene Blattwerk – ähnelt dem einer herkömmlichen deutschen Eiche kaum. Nicht nur deshalb ist sie etwas ganz Besonderes. Denn geschlitztblättrige Eichen sind sogenannte Kultivare. „Es handelt sich hierbei um eine bewusste Schöpfung des Menschen“, erläutert Hewicker. Daher ist diese Baumart extrem selten. Denn im Gegensatz zur herkömmlichen Eiche verbreitet sie sich nur vegetativ und nicht über die Eicheln. Pflanzt man eine der Eicheln eines geschlitztblättrigen Exemplars ein, so entsteht daraus ein ganz gewöhnlicher, deutscher Eichenbaum. Aufgrund seiner Seltenheit wurde der Baum im Klosterpark 1969 zum Naturdenkmal ernannt. Damit ist Uetersen die einzige Stadt im Kreis Pinneberg, die eine geschlitztblättrige Eiche als Naturdenkmal vorweisen kann.

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