Prall, frisch, fröhlich, jung : Musik aus pompösen Zeiten

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Das passte in Vollendung in die schöne alte Barockkirche in Rellingen: Das italienische Ensemble Europa Galante mit seinem Gründer und Leiter Fabio Biondi. Und wer bisher mit Barockmusik nichts am Hut hatte, wurde von den genialen Musikern mit ihren Streichinstrumenten und dem Cembalo eines Besseren belehrt. So frisch, so einfühlsam und so lebendig kommt die Musik aus dem pompösen Zeitalter hierzulande selten daher. Gleich bei Georg Phillipp Telemanns Eingangs-Ouvertüre aus „Burlesque des Quichotte“ meinte so mancher Gast aus den engen Kirchenbänken aufstehen und sich in den Reigen der höfischen Prunktänze einreihen zu müssen, hörte imaginäre Krinolinen rauschen, sah Damen knicksen und die Herren sich verbeugen, bevor sie gemeinsam im Ballsaal zum Galopp antraten.

shz.de von
16. Juli 2012, 21:09 Uhr

Da war nichts von dem steifen Ernst, mit dem die schönen und wunderbar klingenden alten Instrumente sonst gestrichen werden. Die zehn Musikerinnen und Musiker des Ensembles legten auch Antonio Vivaldis Concerto für Violine, Streicher und Basso continuo (fortlaufender und ununterbrochener Bass) – hier das Cembalo, das Violoncello – so prachtvoll, aber auch gleichzeitig frisch und modern an, dass es ganz einfach ein Genuss war, dieser Musik zuzuhören und auch zuzusehen.

Der Leiter und Gründer des Ensembles „Europa Galante“, Fabio Biondi, hat der Barockmusik in seinem Heimatland Italien und später auch weit darüber hinaus, wieder zu ungeahnter Popularität verholfen. Er grub die Musik längst vergessener Komponisten wieder aus, verpasste ihnen ein neues, junges und beeindruckendes Image und hatte damit zusammen mit „Europa Galante“ einen sagenhaften Erfolg.

Auftritte in den berühmtesten Konzerthäusern in Kanada, Japan, Israel, den USA, Südamerika und Australien, der CD-Verkauf erreichte schnell die Millionengrenze. Auf dem Programm in Rellingen standen – genauso genial interpretiert – das Concerto grosso d-Moll „Follia“ von Francesco Geminiani (1687 bis 1762) und das Concerto grosso in D-Dur von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713).

Viel mehr als verdienten Beifall und Jubel gab es nach und zwischen zwei Zugaben. Hübsche Geste des Festival-Beirates Rellingen, der sich 2012 seit 25 Jahren über die Teilnahme am Schleswig-Holstein Musik-Festival freut: Für jeden Besucher gab es aus Anlass dieses Jubiläums am Ausgang nach dem Konzert eine Rose in die Hand. Weitere Konzerttermine sind im Internet abrufbar. www.shmf.de

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