Ausstellungseröffnung in Uetersen : Museumsscheune Langes Tannen zeigt Häupter aus Holz, Gips und Bronze

 Einer der bekannten Menschen, die der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel für die Ewigkeit porträtiert hat, war bei der Ausstellungseröffnung anwesend und konnte sich neben „seinen Kopf“ stellen : Friedel Anderson, renommierter Maler aus Itzehoe.
Einer der bekannten Menschen, die der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel für die Ewigkeit porträtiert hat, war bei der Ausstellungseröffnung anwesend und konnte sich neben „seinen Kopf“ stellen : Friedel Anderson, renommierter Maler aus Itzehoe.

Großes Besucherinteresse bei Ausstellungseröffnung des Bildhauers Manfred Sihle-Wissel.

shz.de von
15. Juni 2018, 12:00 Uhr

Uetersen | Es fehlte sogar an Stühlen in der Museumsscheune Langes Tannen. So viele Gäste waren zur Ausstellungseröffnung des bedeutendsten Bildhauers Norddeutschlands gekommen. Darunter befreundete Künstler selbst aus den Nachbarkreisen und Bewunderer aus Hamburg. Manfred Sihle-Wissel hat weit über die Region hinaus ein großes Renommee. Warum, sah jeder der Geladenen: Köpfe von prominenten Menschen aus Holz, Gips und Bronze warteten auf schlicht-weißen schlanken Podesten auf eine Auge-in-Auge Begegnung.

Kein Abbild, sondern Charakter

Wer von dem 84-Jährigen jemals in seinem unermüdlichen Schaffen porträtiert wurde, ist auf ganz besondere Weise geadelt, denn der Bildhauer verleiht ihm nicht nur ein Abbild, sondern Charakter. Darauf wies Museumsleiterin Ute Harms in ihrer Eröffnungsrede und Vorstellung des Künstlers hin, nachdem Bürgervorsteher Adolf Bergmann Uetersens Bedeutung als „feine Adresse im Raum der Kulturmetropole Hamburg“ herausgestrichen hatte und Sihle-Wissels als „Künstler mit Axt und Kettensäge“ bezeichnete. Die Museumsleiterin freute sich noch auf der Vernissage, dass es ihr gelungen war, selbst bei den hohen Temperaturen den Bildhauer aus der Alten Schmiede in Brammer im Kreis Rendsburg-Eckernförde zur Ausstellung in der reetgedeckten Scheune zu überreden − und der bewundernswerterweise alles selbst hinein getragen und in unterschiedlichen Gruppen positioniert hatte. Doch auch die Museumsleiterin strich dickes Lob ein.

Vor der Eröffnung hat shz.de mit dem Künstler gesprochen:

Laudator Augustin Noffke, mal provokanter Denker, mal feinfühliger Künstler aus Ratzeburg – einige der Gäste waren auch seinetwegen zur Vernissage gekommen − hob in seiner temperamentvollen Rede Harms gutes Einfühlungsvermögen in die Bedeutung der Werke des Künstlers hervor. Nicht einmal die neue Leitung des Landesmuseums habe ihn und seinen Stellenwert in Norddeutschland gekannt, Ute Harms durchaus und sich sehr um diese Ausstellung in Uetersen bemüht. Es sei eine Katastrophe in unserer Kultur, so Noffke, dass Menschen, die uns mal etwas bedeutet und gesagt haben, so schnell vergessen werden. Genau diesem Vergessen setze Sihle-Wissel ein Ende, verleihe seinen Werken nicht nur ein Gesicht, sondern auch Wesenszüge und Ausdruck, die er genau so gesehen hat, so Noffke.

Porträts von Loki und Helmut Schmidt

Genau da berichtete der Bildhauer selbst von dem Erlebten bei seiner Arbeit. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (in Hamburg auch „Schmidt-Schnauze“ genannt) habe ihm Modell gesessen, seine Frau Loki war natürlich dabei. „Machen Sie den Mund nicht so gewaltig“ habe sie bei der Betrachtung des entstehenden Werkes gesagt, berichtet Sihle-Wissel. „Mein Mann hat zwar eine große Klappe, aber einen kleinen Mund.“ Helmut Schmidts und Lokis Kopf und viele andere sind noch bis zum 26. August jeden Mittwoch, Sonnabend und Sonntag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr zu bewundern.

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