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Uetersener Nachrichten

11. Dezember 2017 | 05:27 Uhr

SHMF : Multi-Talent spielt Hamlet

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Achterbahn der Emotionen beim Schleswig-Holstein Musik Festival in der Rellinger Kirche. Schauspieler Lars Eidinger rezitierte moderne Übersetzungen aus Shakespears „Hamlet“, alle befassten sich mit Ophelia, die an den verworrenen Verhältnissen wahnsinnig wird und schließlich stirbt, ob durch eigene Hand oder eines natürlichen Todes, lässt Shakespeare offen. Diese zwiespältige Ophelia verkörpert in der spätbarocken Kirche die 30 Jahre junge Sopranistin Anna Prohaska mit Liedern aller Komponisten, die sich mit dem dramatischen Schicksal der schönen Ophelia auseinandersetzten. Und das waren viele: Robert Schumann, Hector Berlioz, Johannes Brahms, Richard Strauss beispielsweise.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 18:17 Uhr

Der aufstrebende Star am Opernhimmel, die zauberhaft junge und schöne Prohaska wurde bereits als zweite Anna Netrebko gehandelt, überzeugte in Rellingen mit einer glasklaren jungen Sopranstimme und einem offensichtlichem dramatischen Talent. Und ganz nebenbei war sie ein himmlischer Anblick in ihrem rosenholzfarbenen raffiniert-schlichtem Kleid mit den Fledermausärmeln, vorne minikurz und den Blick auf die schönen Beine frei lassend, hinten knöchellang, den langen schwarzen Locken und dem porzellanfarbenen Teint.

Düster, ja beinahe derb und tief verstörend die moderne Übersetzung der Hamlet-Texte, die sich auf Ophelia beziehen, gesprochen vom Multi-Talent Lars Eidinger, der vielen als wahnsinniger Stalker aus der Kieler Tatort-Folge „Borowski und der stille Gast“ in eindrucksvoller Erinnerung ist.

Auch den Hamlet mimt der Berliner Schauspieler nicht zum ersten Mal, es ist auf der Bühne sozusagen seine Paraderolle.

Begleitender Pianist war Eric Schneider, der schon viele Liederabende in Europa, Asien und Amerika mit gestaltet hat.

Gesang, Musik und Schauspiel in Rellingen war ein überzeugender Hingucker und -hörer. Wer zu Depressionen neigt, sollte den Inhalt der Texte in dem geballten einstündigem Ereignis ohne Pause allerdings nicht allzu nachdrücklich inhaliert haben. Jubel und Begeisterung kam am Ende für die Darbietungen verdient auf, ein fröhlich-leichter Sonntagabend wurde es indes nicht.

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