Taufe unter freiem Himmel : Moorreges Freibad wird zum gesegneten Ort

Liebe und Freiheit, die treibenden Kräfte im Leben eines Menschen, standen im Mittelpunkt des ersten Taufgottesdienstes am und im Oberglinder See in Moorrege. 13 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen vier Monaten und 14 Jahren aus Moorrege, Heist, Elmshorn, Wedel, Uetersen, Pinneberg und Appen wurden durch das Ritual in die Gemeinschaft der Christen und damit ihre Kirche aufgenommen.

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02. September 2012, 21:28 Uhr

Begleitet von Moorreges Pastorin Vivian Reimann-Clausen und Appens Pastor Frank Schüler schlossen sie unter den Augen von mehr als 200 Besuchern den Bund mit Gott, in dem sie in den See gingen oder getragen und mit dem Wasser benetzt wurden.

In der gemeinsamen Predigt beider Pastoren bezeichnete Vivian Reimann-Clausen die Freiheit zwar als ein erstrebenswertes Gut, erinnerte jedoch auch an die damit verbundene Verantwortung. „Wir müssen die Freiheit nicht nur zu unserem eigenen Wohl nutzen, sondern auch zu dem anderer Menschen“, sagte sie. Dabei sei niemand allein, werde begleitet von Gott und könne sich auf dessen Kraft verlassen.

Frank Schüler verwies auf die besondere Bedeutung der Taufe, durch die Mauern überwunden werden könnten. Mauern zwischen Menschen seien das Ergebnis vieler Ängste, die jedem mehr oder minder stark im Wege stehen. Sie gelte es zu überwinden. Dabei könnten sich Erwachsene durchaus die Kinder zum Vorbild nehmen, die vorbehaltlos auf andere Menschen zugingen, sich streiten und sofort wieder vertragen könnten, ohne dass die Zwistigkeiten nachwirkten, sagte Vivian Reimann-Clausen.

Auch dem Wasser kam in der Predigt der Pastoren eine besondere Bedeutung zu. „Wasser erfrischt, belebt und macht frei von Schmutz. All das, was uns von Gott trennt, wird abgewaschen“, sagte Vivian Reimann-Clausen.

Zahlreiche Helfer hatten im Vorwege der außergewöhnlichen Veranstaltung aus dem Strand am See einen Platz für die Gläubigen gemacht. Die langen Sitzbänke wurden durch Zelte gegen einen möglichen Regenguss geschützt, erwiesen sich am Tag des Gottesdienstes als sehr nützlicher Sonnenschutz. Die Besucher stapften größtenteils barfuß durch den Sand, krempelten die Anzughosen hoch, rafften die Röcke, um ihren Pastoren in den See zu folgen.

Angeordnet worden waren die Bänke vor dem bunt geschmückten, mobilen Altar, den die Pastoren allerdings kaum nutzten. Etwas seitlich spielte die Musik, Ikenoya Mitsuhiro sei Dank. Er saß an einem elektronischen Klavier auf drei übereinander gestapelten Gartenstühlen, um die Höhenunterschiede des Strandbodens auszugleichen, und spielte bekannte Lieder wie „Herr, deine Liebe“, „Gott hält die ganze Welt“ und „Danke“. Neben ihm nahmen die Mitglieder des Chores „Voice & Spirit“ unter der Leitung von Catrin Jacobsen Aufstellung. Die Sängerinnen und Sänger untermalten die ausgedehnte Taufzeremonie, während der sich beide Pastoren viel Zeit für die Täuflinge und ihre Familien nahmen, ebenso wie sie den Gottesdienst musikalisch umrahmten.

Sie seien beide aufgeregt ob der Premiere, hatte Vivian Reimann-Clausen zu Beginn des Gottesdienstes freimütig eingeräumt. Und das sicherlich auch wegen der besonderen Herausforderung, die eine Taufe in einem See mit sich bringt. Während Moorreges Pastorin dabei lediglich auf ihre Schuhe verzichtete, mit langer Hose und Talar ins Wasser stieg, hatte es Appens Pastor Frank Schüler nicht ganz so leicht. „Ich brauche den Talar für den Gottesdienst am Sonntag. Deshalb darf er nicht nass werden“, sagte er.

Also steckte er seinen „Dienstumhang“ hoch, um die Hände frei zu haben. Sicherheitshalber hatte er eine bunte Badehose angezogen, der ein paar Wasserspritzer nichts ausgemacht hätten. Die zufälligen Freibadbesucher, die sich nichts ahnend ein paar schöne Stunden in Moorreges „Strandbad“ machen wollten, verzichteten fast alle auf das geplante Vergnügen, blieben stattdessen an Land und rückten im Laufe des Gottesdienstes fasziniert und langsam immer näher.

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