Portrait : Mit einem anderen Blick auf die Dinge

Wer sich auf einen neuen Blick für Motive und Menschen der Region einlassen will, der sollte eine Ausstellung besuchen, die am kommenden Freitag um 17 Uhr im Elbmarschenhaus eröffnet wird. Kirsten Heer stellt dann Schwarz-Weiß-Fotografien aus. Erst stand sie vor der Kamera, dann dahinter. Das Erste wurde der Tochter eines Schauspielerehepaares in die Wiege gelegt, das Zweite hat sie sich erarbeitet. Bereits als Kind war die gebürtige Hamburgerin vor Fernsehkameras aktiv. Das Studium – Anglistik, Deutsch und Pädagogik in Hamburg – finanzierte sie sich als Fotomodell. Die Uni wurde geschmissen, der Job zum Beruf und Kirsten Heer zierte die Titelseiten von Stern und Marie-Claire.

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24. Februar 2013, 18:59 Uhr

Mitte der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts dann der Sprung hinter die Kamera. Bei Michael Gimbut, einem der Großmeister der Fotografie in Deutschland, konnte sie eine Ausbildung machen. Kirsten Heer ging zielstrebig weiter ihren Weg und machte sich anschließend mit einem Fotostudio selbstständig. Für die Familie legte sie dann die Kamera aus der Hand.

2010 dann der große Einschnitt mit dem Tod ihres Mannes. Kirsten Heer griff wieder zur Nikon. Und sie nahm sich vor, es allein zu schaffen.

Die Künstlerin huldigt der Schwarz-Weiß-Fotografie in ihrer klassischen Form. Den Computer verschmäht sie dabei allerdings nicht. Ihre Werke bearbeitet die Haselauerin am Bildschirm. Meinte Kirsten Heer einst ohne Dunkelkammer nicht arbeiten zu können, hat sie in einem Profi-Drucker und schwerem Papier einen Ersatz gefunden. „Ich brauche das Haptische“, erklärt sie.

Schon 2011 organisierte die sensible wirkende, aber durchaus zupacken könnende Frau die erste Ausstellung in Hamburg. Weitere folgten, etwa beim Haseldorfer Kulturverein sowie in Haselau im Küsterhaus und der Galerie 49.

Es gibt Anfragen und die stets in schwarz gekleidete Frau wäre durchaus nicht abgeneigt, ihren Aktionsradius zu erweitern. An Motiven ist für einen Fotokünstler sowie kein Mangel. Ihr Arbeitstag hat 12, 14 Stunden – und das ist auch gut so.

Wer die Ausstellung im Elbmarschenhaus besucht, wird allerdings nur einen kleinen Teil ihrer Künste und Passionen erleben können. Kirsten Heer arbeitet ferner als Journalistin und singt leidenschaftlich gern, etwa in der Haselauer Kantorei. Kurse gibt die 59-Jährige, und zwar auf der klassische Gitarre, die sie seit frühester Jugend spielt, sowie als Ernährungsberaterin, was sie wissenschaftlich erlernt hat.

„Ich habe schon immer ganz viele verschiedene Dinge gemacht“, erklärt Kirsten Heer. Diese Vielseitigkeit hat aber noch einen weiteren Vorteil. „Die Fotografie ist ein unsicheres Geschäft, und da ist es gut, wenn ich in mehreren Bereichen aktiv bin.“

www.kirsten-heer.de

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