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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 08:39 Uhr

Ausstellung : Mit dem Grauen wachrütteln

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es ist ein Thema, das Eltern die Haare zu Berge stehen lässt, wenn sie nur daran denken: „Opfer“ heißt die Ausstellung im Pinneberger Kulturzentrum „Drostei“ und beschäftigt sich mit den traumatischen Auswirkungen von Missbrauch an Kindern, aber auch der körperlichen und seelischen Gewalt in Familien.

Eine Ausstellung über ein ganz sensibles Thema, eignet sich das, um es von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung-Visuelle Kommunikation in Szene zu setzen und von der Opferschutz-Organisation Weißer Ring betreuen zu lassen?

In der Gesamtheit gelingt das schon. Die Studenten wollen mit ihren teilweise sehr provokanten Bildern die Betrachtenden wachrütteln und zu Hilfe und mehr Aufmerksamkeit motivieren, der „Weiße Ring“ spricht mit dieser Ausstellung für mehr Vorsorge, plädiert für einen vertrauensvollen Umgang mit Kindern, rechtzeitiger Aufklärung und einem offenen Umgang mit diesem Thema, damit sich Kinder jederzeit den Eltern anvertrauen können. Eine Gesellschaft, die in vielen Bereichen des Lebens mit immer mehr Gewalt konfrontiert ist, schiebt den Gedanken an die traumatischen Erlebnisse von körperlich und seelisch missbrauchten Kindern, die jene ein ganzes Leben lang verfolgen können, gern und schnell zur Seite. Die Bilder, die die Studenten hierzu gestalteten, bringen das Geschehen wieder auf den Punkt: dramatisch, ohne obszön zu sein und Täter anzulocken führen sie das Grauen vor Augen. Allerdings so deutlich, dass missbrauchte Menschen hier einen „Flash Back“, also einen Rückblick auf ihr Leiden, erleben könnten.

Die ehemalige Jugendrichterin und jetzige Vorsitzende des Kreis-Kinderschutzbundes, Elke Maria Lutz, forderte in einem begleitenden Vortrag frühe Hilfen für gefährdete Familien, mehr Aufmerksamkeit und mehr Zivilcourage. „Gewalt in Familien wird auch heute noch verharmlost“ sagte die engagierte Frau, die von der Situation der Opfer als Zeugen im Gericht berichtete und sich mehr Angehörige als Nebenkläger und Zeugenbegleiter aus den vorhandenen Beratungsstellen wünschte. „Den meisten Tätern geht es nicht um sexuelle Befriedigung sondern um das Erleben von Macht“, warnte auch Kriminalobermeisterin Larissa Merker von der Kriminalpolizei in Pinneberg, die speziell für die Strafverfolgung und Ermittlung bei Kindesmissbrauch und Gewalt eingesetzt wird. Oberste Regel: Der Schutz der Kinder steht an erster Stelle, daher nicht nachfragen, freiwillig erzählen lassen, Vertrauen gewinnen.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet nach den polizeilichen Ermittlungen, ob Anklage erhoben wird. Daher empfiehlt auch sie Betroffenen, zumindest begleitend eine der Beratungsstellen beim Wendepunkt, in Frauenhäusern oder beim Weißen Ring aufzusuchen.

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erstellt am 14.Jun.2013 | 19:11 Uhr

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