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Uetersener Nachrichten

17. Dezember 2017 | 19:19 Uhr

Förderbescheid : Ministerin Ernst bringt Geld

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Landesbildungsministerin Britta Ernst kam mit vollen Taschen: In der Drostei hat sie gestern einen Förderbescheid über 28000 Euro an Landrat Oliver Stolz überreicht. Gedacht ist das Geld für die Einrichtung einer Jugendberufsagentur (JBA), an der sich auch der Kreis finanziell beteiligt . Wofür die Mittel konkret eingesetzt werden, ist allerdings noch ebenso unklar wie der Start und die genaue Struktur der neuen Anlaufstelle.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 20:38 Uhr

Der nahtlose Übergang von der Schule in eine duale Ausbildung ist für viele Jugendliche keine Hürde. Andere dagegen scheitern, weil ihnen der Schulabschluss fehlt, familiäre Probleme alle Energiereserven aufzehren, der Jugendliche in dem Dickicht aus Hilfsangeboten und Beratungsstellen verloren geht. Das soll sich mit den Jugendberufsagenturen ändern. Hier, so das Ziel, bekommt der junge Mensch individuelle Hilfen und Beratungsangebote, hat feste Ansprechpartner, wird frühzeitig aufgefangen, gecoacht, vermittelt.

Die Idee ist nicht neu, wird in Hamburg schon praktiziert und ist auch in Schleswig-Holstein bereits Realität, etwa in Nordfriesland, Dithmarschen oder Neumünster. Nun hat sich auch der Kreis Pinneberg um das Modellprojekt beworben. Hier arbeiten die Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Elmshorn, Schulamt, Jugendhilfe und Berufliche Schulen bereits seit etwa einem Jahr eng zusammen, um die Hilfen für Berufsstarter zu verbessern. „Es geht darum, möglichst alle Jugendliche in eine Ausbildung zu bringen“, sagte Landrat Oliver Stolz. Und auch wenn sich die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Kreis Pinneberg seit 2006 nahezu halbiert hat, fallen immer noch viele von ihnen durch das Raster, etwa weil die Schulabgänger nicht erfasst werden.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte bei der Übergabe des Förderbescheides zu, das Land werde die Einrichtung einer JBA eng begleiten. „Wir müssen dabei auch einen Blick auf die Frage werfen, warum der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung oft nicht klappt“, sagte sie. Es gelte jetzt vorrangig, die Hilfen für Jugendliche zu verbessern. Dafür seien Jugendberufsagenturen das geeignete Instrument.

Für Schulrat Michael Doppke bedeutet der Förderbescheid eine „neue Verbindlichkeit“. „Wir haben jetzt einen klaren Auftrag.“ Wie genau eine Jugendberufsagentur aussehen könnte, ist noch offen. Das gilt etwa für die Frage nach eigenen Räumen und Personal sowie der genauen Aufgabenbeschreibung. Einig sind sich die Kooperationspartner lediglich in der Forderung, dass eine passgenaue Beratung bereits in der Schule beginnen muss.

Der Kommentar

Immerhin das hat die Politik verstanden: Mit den Mitteln der klassischen Berufsberatung ist dem Problem der Jugendarbeitslosigkeit an der einen oder anderen Stelle nicht beizukommen. Über die Gründe lässt sich streiten, auch darüber, wie groß der Anteil der Arbeitsagenturen an dieser Misere ist. Insofern sind die Jugendberufsagenturen also durchaus ein richtiger Ansatz. Nun muss sich schnell zeigen, ob die Idee in der Praxis von Nutzen sein kann, ob sich die Kooperationspartner mit ihren ganz unterschiedlichen und ureigenen Interessen auf eine gemeinsame Struktur verständigen können. Wer übernimmt die Leitung, wie wird eine Trägerschaft organisiert, gibt es ein Büro oder vielleicht sogar mehrere, wofür genau wird das Geld verwendet, das der Kreis und das Land zur Verfügung stellen? Überzeugt hätten die Kooperationspartner, wenn sie bei der Übergabe des Förderbescheides schon die ersten Antworten gehabt hätten. Unverständlich auch, dass kein Unternehmensvertreter seinen Platz in der Runde hat. Sie sind ebenfalls in der Verantwortung, müssen sich stärker öffnen, Bewerber motivieren. Es ist also viel zu tun, aber die Jugendlichen sind es allemal wert. Claudia Ellersiek

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