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Direktvermarktung : Milch frisch von der Tankstelle

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In den Fünfzigern und Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts war es ganz normal, mit der Blechkanne in der Hand zum Milchmann zu gehen, und sie dort befüllen zu lassen. Dann kam erst die Glasflasche und später der Tetrapack im Supermarkt. Der Milchmann war Vergangenheit.

Auf dem Almthof leben die alten Zeit, nun wieder auf, jedoch in einer sehr modernen Form. Die Peins haben eine „Milchtankstelle“ eröffnet.

Schilder an der Hauptstraße weisen darauf hin. Wer auf den „Erlebnisbauernhof mit Café“ fahrt, kann es gar nicht übersehen. „Man kann einen Behälter mitbringen oder eine Flasche bei uns erwerben“, erklärt Betriebsleiter Hauke Pein.

Anders als bei Esso oder Shell heißt es bei den Peins jedoch „Erst zahlen, dann zapfen“. Hat man sein Geld eingeworfen, kann ein Türchen aufgemacht und die Flasche unter den Hahn gehalten werden.

Hat der Vorgänger etwas geschweinigelt, ist das kein Problem. Nach jedem Zapfvorgang wird das Gerät gesäubert. Diese „Tanke“ ist übrigens rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche geöffnet.

Die Milch fließt von der Kuh über die Melkanlage durch einen Filter und in einen großen Tank. Von dort wird sie per Eimer in die Zapfanlage gefüllt. Bei den Peins gibt es also Rohmilch. Der Fettgehalt liegt bei 4,2 Prozent, die Milch ist gekühlt zwei Tage haltbar.

Der Liter kostet einen Euro. Ein guter Preis für dieses Qualitätsprodukt. „Bei der Meierei würden wir 28 Cent netto bekommen“, erklärt der Hofleiter. Um die gesamte Wertschöpfungskette zu besetzen, musste die Landwirtsfamilie investieren, und zwar im „sehr niedrigen fünfstelligen Bereich“, so Hauke Pein.

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass ein Hinweis auf der Maschine angebracht ist. Danach soll die Rohmilch vor dem Verzehr abgekocht werden. Wer sie jedoch getrunken hat, wird dies nie und nimmer tun. „Der Geschmack ist viel intensiver“, erläutert Maren Pein. Außerdem hat sie deutlich mehr Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren. Die gehen nämlich teilweise bei der Wärmebehandlung verloren. Einzig Schwangere und kleine Kinder sollten Rohmilch nicht trinken. Für alle anderen ist es einfach nur ein Gesundtrunk, und zwar ein leckerer. Dass das Produkt einmal nicht vorrätig sein könnte, muss kein Kunde befürchten. Schließlich produzieren die 220 Almthof-Kühe durchschnittlich 30 Liter pro Tag und Tier. www.almthof.de

Idee aus Berlin mitgebracht

Die Grüne Woche in Berlin hatte Hauke Pein im Januar besucht und schaute dort auch in die Halle der Direktvermarkter. Dabei stieß er auf den Anbieter der Milchtankstelle. Grundsätzlich ist man auf dem von Maren und Jürgen Pein betriebenen und ihrem Sohn geleiteten Hof offen für Neues. Diese moderne Ausrichtung des Familienbetriebes brachte Hauke Pein 2014 den Titel „Landwirt des Jahres“ beim bundesweiten „Ceres-Awards“ des „dlz agrarmagazin“ ein. Die Eltern fanden die Idee des Sohnes gut und schon kurz nach der Grünen Woche schaute der Tankstellen-Vertreter in Appen vorbei. Nach Peins Wissens ist der Almthof der einzige im Kreis Pinneberg, der die Milch so vermarktet. In Schleswig-Holstein sind es „nur eine handvoll.“. In Niedersachsen sei die Direktvermarktung stärker ausgeprägt und es gebe deutlich mehr Milch-Zapfsäulen. (tp)

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erstellt am 10.Apr.2015 | 21:40 Uhr

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