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Brennpunkt Afghanistan : Mehr Sicherheit ohne die Soldaten?

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wie sieht Afghanistans Zukunft nach Abzug der Bundeswehr und aller weiteren ISAF-Streitkräfte aus? Normalisiert sich die Lage oder kehrt der Terror in Form der Taliban zurück? Die Gemengelage der Meinungen dazu ist unübersichtlich. Die ehrliche Antwort ist offensichtlich: Niemand weiß es! Björn Schreiber, Kapitänleutnant der Reserve, Diplom-Pädagoge und eingeschriebener Student der Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, unterstrich das in seinem Fazit eines Vortrages, zu dem ihn die Uetersener Sektion der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik eingeladen hatte.

Beide Szenarien seien denkbar, so Schreiber. Für ihn erfolge der Rückzug der Truppen, angesichts des Risikos für erneutes Chaos in Afghanistan, früh. Er sei nun aber einmal befohlen worden. Zuvor hatte er über seine Erfahrungen beim ISAF-Einsatz am Hindukusch berichtet. Schreiber nahm als Offizier am Afghanistan-Einsatz teil. Der 31-jährige Uetersener sagte, dass er hinter dem Einsatz stehe. Sowohl als Soldat, der den Anordnungen der Politik folgen müsse, als auch als Privatperson, der sehr wohl sehe, dass Deutschland nicht (im Sicherheitsrat) auf der weltpolitischen Bühne mitspielen könne, wenn sich das Land nicht zugleich an der Beruhigung internationaler Konflikte beteilige. Inwieweit in Afghanistan deutsche Interessen eine Rolle spielen würden, sei umstritten, gestand der Reservist, jedoch sei bekannt, dass die Terroristen, die 2001 in die Türme des World Trade Centers geflogen seien, in Afghanistan ausgebildet wurden, dass Alkaida dort Camps unterhielt.

Schreiber skizzierte kurz die wechselvolle Geschichte Afghanistans, die Loslösung von den Briten Anfang des 20. Jahrhunderts, die Monarchie, die 1973 mit dem Sturz des Königshauses einsetzenden Enteignungen und den „Beginn des Unheils“, wie Schreiber ausführte: Einmarsch der Sowjetarmee 1979, Bürgerkrieg, und schließlich der Terror durch die Taliban. 2001, nach den Eindrücken von „9/11“, erfolgte dann der Eingriff der Westmächte.

Es falle ihm schwer, in Afghanistan auf Stabilität zu setzen. Kein Bündnis ist dort für die Ewigkeit gemacht. Auf der anderen Seite könne man sich auf die Paschtunen, so seine Einschätzung, verlassen. Die Paschtunen sind die bestimmende Volksgruppe in Afghanistan. „Wir waren auf einem guten Weg“, so Schreiber. Es sei vielfach gelungen, die bewaffneten Aufstände zu beenden. Ob es jetzt zu einem weiteren Mandat – wie angedacht – komme, sei auch vor dem Hintergrund der jüngsten Kritik von Präsident Hamid Karzai sehr fraglich. Bekanntlich hatte das afghanische Staatsoberhaupt Anfang Oktober gesagt, der Einsatz der Westmächte habe „viel Leid“ über sein Land gebracht.

Die Bundeswehr verlässt das Land, nimmt Waffen und Material mit. Doch was ist mit den Mitarbeitern, jenen Afghanen, die auf Seiten der Alliierten Dienst geleistet haben. Auf der einen Seite seien das, so Schreiber, hochgebildete Menschen. Wenn sie jetzt zurückgelassen würden, jedoch auch im höchsten Maße Gefährdete. Er könne nicht verstehen, warum diese rund 300 Sprachmittler jetzt den Gefahren des afghanischen Widerstands (Taliban) überlassen würden. „Wir haben eine Verantwortung für diese Jungs“, so der Referent. Und: „Dankbarkeit sieht anders aus.“ Sein Sprachmittler befände sich derzeit in einem griechischen Flüchtlingslager – und das bestimmt nicht ohne Grund.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 21:41 Uhr

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