Bilanz : Mehr Bürger in der Schuldenfalle

Nachdem es in den vergangenen Jahren vor allem die Rentner waren, rückt jetzt eine neue Zielgruppe in den Fokus der Fachleute von der AWO-Schuldnerberatuing in Elmshorn: junge, allein stehende Männer, die zunehmend über ihre Verhältnisse leben. „Sie stellen mit knapp 40 Prozent die größte Gruppe derjenigen, die bei uns Rat suchen“, sagte Michael Danker, Leiter der AWO-Schuldnerberatung in Elmshorn während der Vorstellung der Jahresbilanz 2013.

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27. Juni 2014, 21:08 Uhr

Demnach ist der Bedarf an qualifizierter Beratung und Betreuung unverändert hoch. „Wir gehen davon aus, dass mehr als 10000 Menschen allein im Kreis Pinneberg überschuldet sind“, sagte Danker. Etwa 15 Jahre dauert eine Entschuldung im Durchschnitt. Danker und sein Team erreichten im vergangenen Jahr 5118 Anfragen nach Beratung (2013: 5004). 3618 Basisberatungen führten sie durch (3336). In den meisten Intensivberatungen ging es um eine klasische Schuldnerberatung (1139, 2013: 1230), in 431 Fällen wurde eine Insolvenzberatung nachgefragt (438).

Der Ansturm der Ratsuchenden sei von den Mitarbeitern kaum noch zu bewältigen, sagte Danker, zu dessen Team 4,6 Beratungsfachleute und 1,8 Mitarbeiter in der Verwaltung gehören. „Wir müssen immer häufiger auf die Basisberatungen ausweichen oder Ratsuchende auf unsere Warteliste setzen.“ Wer jetzt nach einem Termin frage, müsse sich mindestens bis zum Herbst gedulden. Unter ihnen sind wie auch schon im Vorjahr zunehmend Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden und mit einem Betreuer kommen. „Das ist mittlerweile bei etwa jedem fünften Schuldner der Fall.“ Entsprechend nehme sowohl die Dauer als auch die Intensität der Beratung zu.

Die Schuldnerberatung im Kreis Pinneberg, für ihr Konzept und die Qualität der Arbeit von der Unesco ausgezeichnet, gibt es seit 29 Jahren. Bei ihrer Gründung 1985 war sie die erste ihrer Art in Schleswig-Holstein. Ihren Hauptsitz hat sie in Elmshorn, Beratungsstellen gibt es in Pinneberg, Wedel und Schenefeld. Neu im Team ist Beraterin und Präventionsexpertin Anne Bessert.

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