Vortrag : „Mathematik ist nicht schwierig“

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Die Hände liegen unter dem Tisch, heimlich wird an ihnen abgezählt. Zahlen werden ins Blaue hinein geraten, Antworten witzig überspielt. Der Schüler benutzt ausschließlich „Schema F“ – schließlich hat es immer geklappt. Situationen, wie sie Albrecht Gründler vom Institut für mathematisches Lernen in Hamburg von seinen Schülern nur allzu gut kennt.

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27. September 2012, 20:37 Uhr

Der studierte Gymnasiallehrer und Pädagoge arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Bereich der Lerntherapie und versuchte auf Einladung von Sabine Dauen und Manuela Jörgens vom Förderverein der Klaus-Groth-Schule mit seinem Vortrag 25 Eltern und Lehrern zu vermitteln, wo die Probleme von Kindern im Unterrichtsfach Mathematik liegen. In den meisten Fällen nehme das Unheil in der Grundschule seinen Lauf. Der Schritt vom Abzählen an den Fingern zum Mengenverständnis werde bei manchem Schüler versäumt, so Albrecht Gründler. Daraus entwickele sich ein lebenslanges Defizit in der Mathematik – die sogenannte Dyskalkulie. „Doch wenn mich Eltern fragen, ob man da auch auf der weiterführenden Schule noch etwas machen kann, sage ich ganz entschieden Ja!“, machte Albrecht Gründler den betroffenen Familien Mut.

Entgegen landläufiger Meinungen glauben die Experten von dem privaten Lerninstitut aus Hamburg nicht, dass Dyskalkulie angeboren ist. Doch sei es mit einfacher Nachhilfe nicht getan: „Die hilft nur in aktuen Fällen. Wenn aber grundlegende Schwierigkeiten zu Tage treten, kann eine Lerntherapie helfen“, so der Experte.

Ob das eigene Kind schon unter Dyskalkulie leidet, könnten Eltern durch eigene Beobachtungen und im Austausch mit den Fachlehrern ausmachen. Alarmsignale, die ein mangelndes Verständnis bei dem eigenen Kind vermuten ließen, seien vielfältig. „Wenn der Schüler immer und immer wieder üben muss – es aber in der Klassenarbeit dann doch wieder vergessen hat“, sei eines der Anzeichen, so Albrecht Gründler. Auch eine fehlende Zahlenraumvorstellung, besonders große Probleme beim Lösen von Textaufgaben oder sogar das komplette Verweigern vom Kopfrechnen gehörten dazu. „Die Mathematik selbst ist nicht schwierig, viel wichtiger ist ein tiefergehendes Verständnis“, machte Albrecht Gründler in seinem Vortrag deutlich. Und das fehle bei vielen. „Hier sind auch die Lehrer aufgefordert“, mahnte der Referent an. Ein Umstand, der an der Klaus-Groth-Schule ernst genommen wird. Waren doch nicht nur Eltern, sondern auch zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer zu dem Vortrag gekommen. Manche von ihnen sogar in Personalunion als betroffenes Elternteil und Pädagoge.

Die lockere Diskussionsrunde während Albrecht Gründlers Vortrag im Physikraum der Schule ermöglichte einen für alle Seiten interessanten Austausch zwischen Eltern, Lehrern und dem Experten für Dyskalkulie.

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