zur Navigation springen

Interview : Man muss die Leute mit ins Boot holen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In unregelmäßiger Folge stellen die Bürgermeister der Umgebung im Rahmen eines Interviews ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft ihrer Gemeinden vor. „Manchmal muss man einen langen Atem haben. Wenn dann am Ende alles gut wird, ist das in Ordnung“ und „Man muss die Leute mit ins Boot holen. Dann funktioniert es“ sind zwei aus der Praxis geborene Erkenntnisse von Reinhard Pliquet.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 20:51 Uhr

Seit zweieinhalb Jahren ist der 63-Jährige Bürgermeister der 540 Einwohner zählenden Gemeinde Neuendeich. Sich ehrenamtlich zu engagieren gehört zum Naturell des vierfachen Vaters und zweifachen Großvaters. Seit 20 Jahren ist er Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Neuendeich, seit 37 Jahren gehört er der Gemeindevertretung an. Als Projektleiter von internen Revisionsprojekten des Jobcenters mit Büro in Kiel und Außendiensttätigkeit im gesamten norddeutschen Raum kommt Pliquet viel herum. Auf die Idee seinen Ort zu verlassen, ist er nie gekommen. „Der Vater ist Ostpreuße, die Mutter kommt aus Pommern und ich bin Holsteiner“, sagt er. Das Bürgermeisteramt macht ihm Spaß – insbesondere wenn sich Beruf und Engagement vernetzen lassen. .„Wir arbeiten offen und transparent - im Amt und in der Gemeinde“, sagt der gelernte Verwaltungsfachmann. UeNa: Welche Themen liegen aktuell in Neuendeich an?

Reinhard Pliquet: Das Thema Breitband steht bei uns ganz oben an. Wir sind dem Zweckverband Breitband beigetreten. Internet ist im Ort bisher unterschiedlich gut zugängig. Wir streben eine schnelle Internetverbindung für alle an. Viele Neuendeicher möchten das Internet auch beruflich nutzen – darunter Gastronomen, Kleingewerbetreibende, eine Hundeschule, Landwirte und Obstbauern sowie ein Betrieb für Zerspanungstechnik. Ein weiteres Thema ist die Ausstattung der Feuerwehr. Ein 30 Jahre altes Löschfahrzeug soll 2016 ersetzt werden. Das Geld ist im Haushalt bereitgestellt worden. Die Bauarbeiten in der Straße Rosengarten sind fast abgeschlossen. Die Beleuchtung fehlt noch. Dann soll die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses fortgesetzt werden. Die Akustik wurde bereits verbessert, die Küchensanierung ist abgeschlossen. Jetzt stehen Einrichtung und Bestuhlung an.

UeNa: Die neue Förderperiode der AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest ist angelaufen. Gibt es in Neuendeich Projekte, die mit EU-Mitteln umgesetzt werden sollen?

Pliquet: Als Gemeinde unterstützen wir die Pläne von Gastwirtsehepaar Stacklies, das Café „Schönes Leben“ mit EU-Mitteln aus dem Förderprogramm der AktivRegion zu einem Vollrestaurant auszubauen. Wir haben auch eigene Pläne. Zum Beispiel steht die energetische Sanierung der Feuerwache an. Die Umsetzung ist für 2016 geplant.

UeNa: Wie ist die derzeitige Situation von Flüchtlingen in der Gemeinde?

Pliquet: Die Flüchtlinge werden uns durch das Amt Moorrege zugewiesen. Seit Kurzem lebt eine vierköpfige Familie im Dorf. Wir kriegen das geregelt. Sechs bis sieben Leute haben ihre Hilfe angeboten. Wir sind per Whatsapp vernetzt, um Dolmetscherhilfe oder Fahrdienste zu organisieren.

UeNa: Wo soll die Gemeinde Neuendeich in fünf bis zehn Jahren stehen?

Pliquet: Neuendeich soll seinen Charakter und seinen Charme bewahren. Wir versperren uns neuen Entwicklungen nicht, aber die Entwicklung muss bedarfsgerecht sein. Wir wollen das Ehrenamt weiter hochhalten. Aktuell gehören beispielsweise 38 Neuendeicher der Freiwilligen Feuerwehr an, das sind ohne die Mitglieder der Ehrenabteilung zehn Prozent der Einwohner. Finanziell wollen wir gesund sein und bleiben.

UeNa: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Neuendeich? Pliquet: Die Sitzgruppe an der Drehbrücke. Das ist mein persönlicher Lieblingsplatz in Neuendeich. Sie ist zu Fuß zu erreichen. Hier sitzen wir mit der ganzen Familie und auch mit Besuchern. Hier hat man alles und man kann bis zur Elbe sehen. Alternativ ist mein Lieblingsplatz ein ruhiger Angelplatz. Ich habe meinen Angelschein aktualisiert, um mit meinem Junior angeln gehen zu können – vielleicht in der Au.

UeNa: Was macht den Charme, die Besonderheit von Neuendeich aus? Pliquet: Es gibt einen großen Zusammenhalt in der Gemeinde. Die Kinder wachsen gemeinsam auf. Ab der fünften Klasse sitzen alle in einem Schulbus. Viele der Zehn- bis 18-Jährigen engagieren sich in der Jugendwehr. Die Älteren kümmern sich um die Jüngeren. Sie wachsen da rein und bleiben der Idee, dass sie helfen können, treu. Davon profitieren alle. Das Vereinswesen ist stark. Viele Neuendeicher engagieren sich im Elternverein, in der Freiwilligen Feuerwehr oder im Wassersportverein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert