Kreisparteitag : „Mafia-Methoden in der CDU“

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Deutliche Kritik am Umgang der CDU mit Christian von Boetticher ist am Sonnabend aus den eigenen Reihen laut geworden.

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18. September 2011, 20:59 Uhr

Während des Kreisparteitags der CDU in Rellingen sprach der Kreistagsabgeordnete Christian Saborowski mit Blick auf die Umstände des Rückzugs des einstigen CDU-Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten aus der Politik von „Mafia-Methoden“ innerhalb seiner Partei.

„Nicht die Sozialdemokraten haben Christian von Boetticher zu Fall gebracht, nicht die Grünen oder irgendwelche Straßendemonstranten, sondern das war die CDU selbst“, sagte er. Die Union habe es nicht geschafft hat, einen Fehltritt des Landtagsabgeordneten daraufhin zu überprüfen, ob er zu einem Rücktritt von allen Ämtern hätte führen müssen. Stattdessen sei ein Problem durch verdecktes Handeln inszeniert worden. „Wenn ich mir E-Mails bei der jungen Frau hole und weitergebe, sind das Mafia-Methoden“, sagte Saborowski gegenüber unserer Zeitung.

Wie berichtet, gab von Boetticher nach Bekanntwerden einer Beziehung zu einer 16-Jährigen auf starken Druck aus seiner Partei hin vor vier Wochen seine Spitzenämter auf. Am Freitag erklärte er, dass er auch bei der Landtagswahl nicht mehr antreten werde. Von Boetticher begründete den Schritt damit, dass er in der Politik keine neuen Herausforderungen für sich sehe. „Die politische Karriere geht für mich nicht weiter“, sagte er. Zudem habe ihm das politische Engagement kaum Freiräume für ein Privatleben gelassen. „Manchmal muss man geschubst werden, um hinzufallen und nachzudenken, manchmal muss man auch über seine eigenen Beine fallen“, so von Boetticher. Inzwischen seien die emotionalen Wunden aber geheilt, nicht zuletzt durch die Unterstützung in seinem Heimatverband. „Wenn man mit warmem Applaus empfangen wird, sind das Gesten, die einem in schwerer Zeit helfen“, bemerkte er. Den Applaus erhielt er am Sonnabend im Rellinger Hof mehrfach.

Seinen beruflichen Weg als Jurist in der Wirtschaft Weg gehe er gelassen an. Erste Gespräche seien geführt, doch zur Wahl am 6. Mai werde er sein Amt als Landtagsabgeordneter weiter wahrnehmen.

Ehrenamtlich wird sich von Boetticher weiter engagieren. Die CDU wählte ihn mit 112 von 124 Stimmen zum stellvertretenden Kreis-Chef. Als Vorsitzender wurde der Bundestagsabgeordnete Dr. Ole Schröder bestätigt. Stellvertreter bleiben auch Anja Gergeleit, Karl-Heinz Starck und Natalina Boenigk. Letztere überlegt zudem, sich statt von Boetticher als Kandidatin des aus Wahlkreises Pinneberg für den Landtag zu bewerben. Im Gespräch sind auch Kerstin Seyfert und Nicolas Sölter, der gegenüber unserer Zeitung von einer Bewerbung aber Abstand nahm.

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