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Wildpark Eekholt : Mäusegift tötet jungen Seeadler

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Tierärzte kennen das: apatisch wirkende Hunde und Katzen werden von ihren Besitzern in die Klinik gebracht. Schwach, ausgetrocknet und ohne Appetit sind diese Tiere. Der Befund nach Diagnose ist oft eine Vergiftung. Eine Vergiftung mit Substanzen, die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Die Tiere haben das Gift dabei in der Regel nicht direkt aufgenommen, sondern, indem sie vergiftete Beutetiere fraßen wie Mäuse aber auch Schnecken (Schneckenkorn).

Jetzt hat es einen jungen Seeadler getroffen, ein streng geschütztes Tier, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Der Vogel wurde kurz vor Weihnachten in Fiel bei Nordhastedt im Kreis Dithmarschen aufgegriffen. Er war da bereits flugunfähig. Der Adler wurde sofort zur wildtierärztlichen Betreuung in den Wildpark Eekholt gebracht.

Der Greif zeigte alle Anzeichen einer schweren Vergiftung. Laboruntersuchungen ergaben, dass im Blut des Vogels eine giftige Zinkkonzentration vorlag. Der Grenzwert wurde dabei um mehr als 280 Prozent überschritten. Zinkvergiftungen werden unter anderem durch die Aufnahme von Wühlmausgift (Zinkphosphid) ausgelöst.

Berichtet wird in diesem Zusammenhang, dass erst Anfang November in der Nähe von Wismar rund 150 Wildgänse an diesem Gift, das ein Landwirt unsachgemäß ausgebracht haben soll, verendet sind. Auch auf Sylt waren zahlreiche Wildgänse mit Vergiftungsverdacht tot aufgefunden worden.

Die Tierärztin im Wildpark, spezialisiert auch auf Seeadler, vermutet, dass der Greif ein vergiftetes Tier gefressen hat.

Durch die Vergiftung war der junge Adler stark ausgetrocknet und vollkommen geschwächt. Außerdem wies er schwere zentralnervöse Störungen und einen großen Blutverlust auf. Im Röntgenbild fanden sich winzige Teilchen im Magen des Vogels, die leider zu klein waren, um die entfernen zu können.

Dr. Elvira und Wolf von Schenck betreuten und behandelten den Vogel rund um die Uhr. Einen Tag vor Heiligabend gab es zunächst Hoffnung, dass sich der Zustand des jungen Adlers stabilisiert hatte, aber am 1. Weihnachtstag wurde deutlich, dass es kein kleines Weihnachtswunder geben würde: Durch das Gift war der Verdauungstrakt des Adlers so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er kurze Zeit später verendete.

Nicht nur für die Tierärztin zeigt die tragische Geschichte dieses jungen Adlers einmal mehr, wie gefährlich es ist, Gift in die Umwelt auszubringen. Über ein Viertel der Seeadlerpfleglinge, die in den vergangenen 15 Jahren in Schleswig-Holstein aufgegriffen wurden, waren vergiftet. Gift, sagt Dr. Elvira von Schenck, gehöre nicht in die Umwelt. Es sei unkontrollierbar, was mit solchen hochtoxischen Substanzen geschehe, die nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Haustiere und Menschen tödlich seien (beim Menschen löst die Reaktion Blutdruckabfall, Erbrechen, Lungenödeme und Koma aus).

Die Tierschützer im Wildpark hoffen, dass der Einsatz und die Herstellung von Giften wie Zinkphosphid in naher Zukunft verboten werden. „Bis dahin appellieren wir an die Vernunft der Bürger, kein Gift mehr in die Umwelt auszubringen“, sagt die Tierärztin im Wildpark.

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erstellt am 30.Dez.2015 | 18:23 Uhr

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