Metropolregion-Studie : Lukratives Geschäft mit Tagesgästen

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Der Verein Unterelbe Tourismus wird in den kommenden Monaten sein Marketingkonzept modifizieren.

shz.de von
06. Januar 2012, 20:19 Uhr

Grundlage ist eine neue Studie zum Verhalten der Tagesausflügler in der Metropolregion Hamburg, deren Ergebnisse jetzt in die Arbeit der Unterelbe-Touristiker einfließen. Bereits im vergangenen Monat war die Studie der Köln-Potsdamer „ift Freizeit- und Tourismusberatungs GmbH“, die wegen der umfassenden Datenerhebung deutschlandweit einmalig ist, in Hamburg vorgestellt worden. Wichtigste Ergebnisse: Kurzreisen und Tagesausflüge sind ein lukratives Geschäft, das derzeit vor allem die Hansestadt Hamburg macht. Und: Die etwa fünf Millionen Einwohner der Region bleiben gerne in Hamburg und Umgebung und suchen neben der Erholung in der Natur das entspannte Einkaufserlebnis und ein gutes Restaurant oder Café auf.

„Genau genommen ist die Studie eine Fortschreibung, denn eine ähnliche Erhebung hat es bereits 1999 gegeben“, sagte Olaf Prüß, Geschäftsführer des Vereins Holstein Tourismus. Allerdings seien die Fragen damals andere gewesen. „Shoppingevents waren vor zehn Jahren noch kein Thema, und deshalb hatten wir das Interesse daran bislang auch nicht im Fokus“, so Prüß.

Nun soll nachgebessert werden! Das besondere Einkaufserlebnis in den kleinen Orten, verkaufsoffene Sonntage unter einem Motto in Barmstedt, Wedel, Uetersen, Elmshorn oder Pinneberg werden ausgeweitet und gezielt vermarktet. Auch die Werbeplattformen werden sich verändern. Der Internetauftritt von Holstein Tourismus wurde bereits angepasst. Ansprechend bebilderte Ausflugstipps rückten in den Mittelpunkt, Informationen zur Geschichte eines Ortes wurden eingekürzt.

Auch die Themen in den vom Verein herausgegebenen Printmedien werden neu bewertet und gewichtet. „Wer das Hamburger Umland besucht, ist nicht so sehr interessiert an Zahlen und Daten etwa zur Geschichte, sondern will wissen, was er unternehmen und wo er gut essen kann. Das hat die Studie gezeigt“, so Prüß.

Um Besuchern die Planung eines Ausflugs zu erleichtern, streben Unterelbe-Touristiker zudem eine effektivere Verlinkung mit den offiziellen Seiten der Landkreise, also Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen an. Zwar sind deren Websites in erster Linie Plattformen der Verwaltungen, Olaf Prüß hält einen touristischen Teil dennoch für sinnvoll. Lesen Sie dazu auch den untenstehenden Artikel.

Geringes Interesse an Kultur: Mehr als 68 Millionen Kurzreisen unternehmen die Bewohner der Metropolregion jedes Jahr. Das ist das Ergebnis der jüngsten Studie zum Verhalten der Tagesausflügler, für die ein Jahr lang 5000 Menschen verschiedener Altersgruppen befragt wurden.

Dabei zeigte sich, dass der Wunsch nach entspanntem Genuss beim Spazierengehen, Shoppen oder Essen die Wahl des Ausflugszieles maßgeblich bestimmt. Interesse an Kultur oder gar einer Weiterbildung in Form etwa von historischen Informationen rangiert dagegen auf der Skala deutlich weiter unten. Allerdings sind die Gründe für einen Ausflug oder die Form der Freizeitgestaltung abhängig vom Alter.

Noch profitiert von dem Millionengeschäft vor allem die Hansestadt. 42 Prozent aller Tagesausflüge führen in die Innenstadt. Hier zieht es die Menschen nicht in die Museen oder historischen Viertel, sondern vielmehr in die Einkaufspassagen und Restaurants. Ift-Projektleiter Christian Rast, der die Daten gesammelt und ausgewertet hat, sieht durchaus Möglichkeiten, die Zahl zugunsten der Umlandkreise zu verschieben.

Schon nach Bekanntwerden erster Studienergebnisse hat etwa der Verein Holstein Tourismus reagiert und den Internetauftritt verbessert. Weniger Information, mehr Ausflugs-tipps, lautet das Motto. Aber nicht jeder Tipp ist gleich gerne genommen. Während Radtouren vor allem bei aktiven Menschen sehr beliebt sind, stoßen die Angebote für Reiter auf geringe Resonanz. Das dürfte für Marsch-Touristiker eine bittere Pille sein. Sie hatten sich von einem umfassenden Reitwegenetz weitere Besucherströme versprochen. Die Investitionen der Kommunen auf diesem Gebiet sind dennoch nicht vergebens. Gerade die großen Reiterhöfe etwa in Holm profitieren von dem attraktiven Reitwegen durch die Natur.

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