Helgoländer : Leuchtturm für die Energiewende

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Ein „Leuchtturm“ für die Energiewende in Schleswig-Holstein soll Deutschlands einzige Hochseeinsel werden, die einst als „Fuselfelsen“ berühmt-berüchtigte Insel bekommt seit Freitag ein ganz neues „grünes“ Image durch kräftigen Nordseewind.

shz.de von
08. Juli 2012, 21:30 Uhr

Dafür drückte der neue Staatssekretär im Kieler Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Dr. Frank Nägele, auf den Knopf, Landrat Oliver Stolz hält das Gerät und Helgolands Bürgermeister Jörg Singer grient fröhlich in klickende Kameras.

Hinter den dreien beginnen auf einem sorgfältig abgesperrten Gelände im Südhafen auf den Knopfdruck hin mächtige Baumaschinen zu rumoren. Ein riesiger Bagger lädt abgetragene Erde auf ein Förderband.

Das Gelände im Südhafen, auf dem Platz, auf dem der Staatsekretär jetzt auf den Knopf drückte, statt zum ersten Mal den Spaten in die Erde zu stechen, ist es noch ganz schön gefährlich. Hier lagern irgendwo verbuddelt alte Flakmunition, Fliegerbomben und Bunkerreste aus dem zweiten Weltkrieg, das muss alles erst einmal vom Kampfmittelräumdienst aufgespürt und entsorgt werden.

Auf der 34000 Quadratmeter, also etwa acht Fußballfelder großen Fläche, sollen auf 10000 Quadratmetern Werkshallen für die Windparkbetreiber entstehen, das Gelände wird dann an die Betreiber der drei Offshore-Windparks verpachtet, die 35 Kilometer nördlich von Helgoland entstehen. Hier vom Südhafen aus können die Betreiber die Windkrafträder warten, viel praktischer als nur vom Festland aus, von dem weiterhin die ganz großen Teile geliefert und ersetzt werden.

Helgoland setzt indessen nur noch auf frischen Wind, verabschiedet sich ganz vom Öl. Der Diesel, mit dem Gemeindeeinrichtungen und die Meerwasserentsalzungsanlage für das Frischwasser auf der Insel betrieben wird, gehört zukünftig zum „alten Eisen“ und ist hier überflüssig, die Helgoländer setzen jetzt zu 100 Prozent auf Windkraft und hoffen sich mit der rein regenerativen Energiegewinnung von der Ölpreisentwicklung abzukoppeln. Um alle die Vorhaben zu bündeln, hat der Kreis Pinneberg zusammen mit der Gemeinde Helgoland die Hafenprojektgesellschaft Helgoland mbH (HGH) gegründet. Der Güterumschlag der Insel soll damit auch vom Binnen- an den Südhafen verlegt werden. „Mit den drei Standbeinen Tourismus, Forschung und Offshore ist die Gemeinde Helgoland, die ja zum Kreis Pinneberg gehört, auf dem besten Weg, ein hochattraktiver Standort in der Nordsee zu werden“ ist sich Landrat Oliver Stolz sicher.

Dafür muss natürlich von allen Seiten viel Geld in die Hand genommen werden. Allein das Land Schleswig-Holstein blättert aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft 11,5 Millionen Euro hin, insgesamt investieren die Offshore Windpark-Betreiber E.on, RWE sowie WindMW und das Land rund 28 Millionen Euro. Seite 2

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