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Schleswig-Holstein-Musik-Festival : Lehrstunde in Sachen Tschaikowsky

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Tschaikowsky pur und das gleich mit drei Streichquartetten bot sich dem Publikum im Haseldorfer Rinderstall. Interpreten waren die vier Mitglieder des renommierten „Borodin Quartet“, das unter diesem Namen immerhin in diesem Jahr bereits seit 70 Jahren spielt, natürlich jetzt nicht mehr in der Urbesetzung.

Technisch perfekt, aber eher etwas müde und betulich führten Ruben Aharonian (erste Geige), Sergey Lomovsky (Violine), Igor Naidin (Bratsche) und Vladimir Balshin (Violoncello) durch das Frühwerk des großen russischen Komponisten.

So entstand der Streichquartettsatz in B-Dur, der zuerst auf dem Haseldorfer Programm stand, bereits zum Ende seiner Studienzeit am St. Petersburger Konservatorium als poetisch-melancholische Miniatur, voller Klangfülle und mit gedämpfter Dynamik.

Den Durchbruch für die Bekanntheit des immer umfangreicher werdenden Schaffens von Tschaikowsky erreichte er mit dem Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11, in Haseldorf als zweites Stück vor der Pause gehört.

Das Streichquartett Nr. 3 es-Moll hat sich nach seiner Entstehung 1876 nicht so „hitmäßig“ in der breiten Bevölkerung durchgesetzt wie das vorher genannte, hat aber auch einen ganz anderen Hintergrund. Tschaikowsky schrieb es zum Tod seines Freundes, des damals so berühmten Geigers Ferdinand Laub, das Werk ist daher alles andere als fröhlich und enthält ausschließlich gedämpfte, düstere Elemente.

Das Borodin Quartet, es schreibt sich als originaler Name tatsächlich nur mit einem „t“, wurde 1945 als Moskauer Philharmonisches Quartett gegründet, seit 1955 trägt es den Namen Borodin Quartet und stand damals in ständigem engen Kontakt mit dem Komponisten Dimitri Schostakovitsch, wurde durch seinen dichten, symphonischen Klang in aller Welt berühmt.

Seit 2007 spielt das Borodin Quartet in der jetzigen Besetzung. In Haseldorf erwiesen sich die Musiker mit technischer Perfektion im gleichen Atemzug, es fehlte ein wenig die sichtbare Spielfreude, das musikalische Miteinander-Kommunizieren, die Leidenschaft. Trotzdem war die Aufführung der drei Tschaikowsky-Werke durchaus ein Erlebnis, allzu oft stehen sie nicht auf den Programmen großer Konzerte. Was immer hingegen wieder begeisterte, war das atmosphärisch so angenehme Umfeld in Haseldorf. Der Kirchenherr dort, Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden, muss eine besonders gute Beziehung nach ganz oben haben, denn der Wettergott meint es immer gut mit den Schleswig-Holstein-Musik-Festival-Aufführungen im Rinderstall und bereitet den rund 1000 Zuhörerinnen und Zuhörern zusätzlich zu den gastfreundlichen Bemühungen des Prinzen mit abendlichem Sonnenschein und einer lauen Sommernacht noch eine weitere Freude.

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erstellt am 13.Aug.2015 | 18:09 Uhr

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