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Tradition : Lebenserfahrung sammeln und neue Techniken erlernen

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Wanderjahre“ wird die Zeit genannt, die zünftige Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit fernab der Heimat verbringen. Die Wanderjahre waren bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung. Ziel war es, dass die Gesellen neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernten sowie Lebenserfahrung sammelten. Ein Handwerker, der sich auf dieser traditionellen Wanderschaft befindet, wird als Fremdgeschriebener oder Fremder bezeichnet.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2015 | 17:20 Uhr

In Uetersen schauten gestern elf Wandergesellen- und -gesellinnen vorbei: Zimmerer, Dachdecker, Maurer, eine Steinmetzin, ein Bäcker, ein Garten- und Landschaftsbauer, ein Metallblasinstrumentenbauer und eine Schmiedin. „Helena“ stammt aus Hamburg und begann gestern mit ihrer Walz. Die anderen Fremdgeschriebenen begleiteten die junge Frau, hinaus aus ihrer Bannmeile. Sie befindet sich 50 Kilometer vor den Toren Hamburgs.

Drei Jahre und einen Tag darf sie sich der Hansestadt nicht nähern. So verlangt es das „Gesetz“ der Wanderschaft.

Die jungen Handwerker, die gestern von Pressecafé-Inhaberin Ricarda Veselsky mit einem köstlichen Frühstück bewirtet wurden, stammen aus ganz Deutschland und sogar Frankreich. Vier Franzosen sind dabei, die ebenfalls fremdgeschrieben sind.

Die Straße ist ihr Weg zum Ziel, meistens sind Wandergesellen zu Fuß unterwegs. Geld für den Transport ausgeben dürfen sie nicht, und wenn sie bei einem Handwerksmeister nach Arbeit fragen, dann ist es Ehrensache, sich auch gemäß des Gesellenlohnes bezahlen zu lassen. Denn Wandergesellen sind ausgebildet und freigesprochen.

Das Handy hat Pause. Nachrichten werden mündlich weitergetragen. So erfuhren die Gesellinnen und Gesellen auch von Hanna, der Hamburger Schmiedin. Weil sie in der Nähe waren, trafen sie mit dieser zusammen. Auch, um sie mit wichtigen Regeln der Straße vertraut zu machen.

Nach der Pause in der Rosenstadt und der freundlichen Bewirtung, machte sich die Gruppe auf in Richtung Glückstadt. Ob sie die Stadt am selben Tag erreichen werden, stehe nicht fest. Möglich sei auch eine Übernachtung in Kollmar.

Was ist das Wichtigste für Wanderburschen? Die geschlossene Antwort: Die Gesundheit und das Wanderbuch.

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