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Uetersener Nachrichten

14. Dezember 2017 | 11:34 Uhr

Sommerinterview : Lebendiges Dorf mit Charakter

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In unregelmäßiger Folge stellen die Bürgermeister der Umgebung im Rahmen eines Sommerinterviews ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft ihrer Gemeinden vor. Der gebürtige Kieler Rolf Herrmann lebt seit 1979 in Haselau und ist seit 1994 Bürgermeister der Marschgemeinde. Er lernte schnell die Nachbarschaftshilfe der Haselauer kennen und schätzen. Seit 26 Jahren ist er Vorsitzender des Männergesangsvereins Concordia Hohenhorst und fest mit dem Ort verwachsen. Zur Politik kam der Christdemokrat über die Initiative „Unser Dorf soll schöner werden“. Als Bauingenieur war seine Meinung in der vorbereitenden Arbeitsgruppe gefragt. Der Einsatz lohnte sich: Zusammen mit Seestermühe sicherte sich Haselau den ersten Platz.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 20:25 Uhr

UeNa: Welche Themen liegen aktuell in Haselau an? Rolf Herrmann: Wir sind in der Situation vieler kleiner Gemeinden: Wir sind abgeschnitten vom weltweiten Wissen. Die Breitbandsituation ist schwierig. Wir wären froh gewesen, wenn der Abwasserzweckverband uns gleich mitversorgt hätte. Die wirtschaftlichen Interessen der Städte haben das verhindert. Auf diesem Weg entsteht ein Dissens zwischen Stadt und Land. Bei uns ist es möglich, einen Brief per E-Mail zu verschicken, ein Foto wird schwierig. Wir streben 1,8 bis 2 Megabyte an. Die Entwicklung des Zweckverbandes Breitband, der uns zusammen mit seinem technischen Partner Wilhelm.Tel vom Knotenpunkt in Heist mit Glasfaserkabel versorgen könnte, werden wir positiv begleiten.

Positiv ist auch, dass wir keine finanziellen Probleme haben. Das war in der Vergangenheit anders. Wir liegen an keiner Achse, das bedeutet, dass uns vom Land nur geringe Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden, was Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung angeht. Ich kann das nicht einsehen. Man darf die kleinen Gemeinden nicht abhängen. Man muss uns die Möglichkeit lassen, entwicklungsfähig zu bleiben.

Als Mitglied im Vorstand des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages versuche ich, auf unsere Situation hinzuweisen.

Eine kleine bauliche Entwicklung können wir aktuell am Kleinen Landweg realisieren. Fünf Grundstücke werden hier auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern bebaut.

UeNa: Die neue Förderperiode der AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest ist angelaufen. Plant Haselau einen Antrag zu stellen?

Herrmann: Es wäre unser Wunsch gewesen, ein Faltblatt, den „Lotsen zu den touristischen Angeboten in der Gemeinde Haselau“, durch die AktivRegion fördern zu lassen. Wir haben ihn dann in Eigenregie herausgegeben. Der „Lotse“ ist der erste Schritt, das touristische Angebot in der Gemeinde zu verbessern. Die Attraktionen sind vermerkt. Tafeln, die mit Bild und Text sowie einem QR-Code an Ort und Stelle informieren, sollen folgen. Der Antrag liegt vor. Wir brauchen ein Verkehrslenkungskonzept für die Haseldorfer Marsch. Hetlingen und Wedel beschweren sich über überfüllte Parkplätze. Am Freizeitgelände Deekenhörn können Parkplätze entstehen. Wenn wir die Hälfte der Kosten von 20 000 Euro als Fördersumme bekommen und uns den Rest mit den Nachbargemeinden teilen, ist das machbar. Auch hier liegt ein Antrag vor.

In der vergangenen Periode wurden Umbauten im Haselauer Landhaus und der Obsthof Plüschau gefördert.

UeNa: Wie ist die derzeitige Situation von Flüchtlingen in der Gemeinde? Herrmann: Die Flüchtlinge werden uns vom Amt Moorrege zugewiesen. Zurzeit haben wir keine. Die Infrastruktur bei uns ist für Alleinreisende nicht geeignet. Sie sind drei Tage hier und wollen dann wieder weg. Wir sind gern bereit, Familien aufzunehmen. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der Kreis dem Amt Moorrege Familien zuweist und das in Zusammenarbeit mit Uetersen auch erreicht. In Hetlingen und Haseldorf sind insgesamt drei Familien untergebracht. Die Integration funktioniert. Sie werden bereits zu Feiern eingeladen. In Gesprächen mit dem Landrat werden wir uns weiter dafür einsetzten. Das ist es, was wir leisten können. Die andere Sache ist: Wir haben eine Leerstandsquote von unter zwei Prozent und nur wenige Mietwohnungen.

UeNa: Wo soll die Gemeinde Haselau in fünf bis zehn Jahren stehen? Herrmann: Ich wünsche mir, dass das Land Entwicklungsmöglichkeiten zulässt. Ich wünsche mir eine blühende, prosperierende Gemeinde, in der man sich sein Geld für seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Wir haben das Potenzial und Pfunde, mit denen wir wuchern können: das Umfeld, die Kulturlandschaft. Viele kommen, um sich zu erholen. Einige möchten bleiben, finden aber nicht die Infrastruktur vor, die sie benötigen. Ich würde mich freuen, wenn wir die Möglichkeit erhielten, Gewerbe anzusiedeln.

UeNa: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Haselau? Herrmann: Mein Lieblingsplatz ist die Bank am Deich an der Straße Op de Lichten Ecke Kreuzdeich.

UeNa: Was macht den Charme, die Besonderheit von Haselau aus?

Herrmann: Durch die Maßnahmen im Rahmen „Unser Dorf soll schöner werden“ haben wir die Entwicklungsrichtung bestimmt. Wir haben Wildwuchs-Siedlungen und bauliche Exzesse vermieden. Haselau ist ein lebendiges Dorf, das seinen Charakter nicht verloren hat.

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