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Uetersener Nachrichten

15. Dezember 2017 | 21:03 Uhr

Lateinschule für alle Kinder

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Stadtgeschichte Elsa Plath stellt die Entstehung der 1719 gegründeten „Rectorschule“ vor

Dass „Ueterst End“ nicht das erste Schulgebäude in der Rosenstadt war und die hiesige Schulgeschichte vielmehr auf Anordnungen von Martin Luther zurückreicht, wies Elsa Plath anhand von Dokumenten aus dem Klosterarchiv nach. Ihre Ergebnisse präsentierte sie einem breiten Publikum in der Museumsscheune Langes Tannen.

„Uetersener Schulen – Geschichte und Geschichten“, so lautet der Titel der Sonderausstellung, die derzeit in der Museumsscheune zu sehen ist. Gezeigt wird ein Überblick über die Schulentwicklung in der Stadt von 1800 bis 1945. Dass die Schulgeschichte wesentlich weiter zurückreicht, erklärte Elsa Plath-Langheinrich in ihrem Diavortrag „Martin Luther und die Entwicklung in der Uetersener Rectorschule“. Denn deren Ursprünge liegen um etwa 1600, „das hat Frau Plath ganz neu anhand von Klosterakten recherchiert“, so Museumsleiterin Dr. Ute Harms.

2017 ist Lutherjahr, denn die Reformation jährt sich zum 500. Mal. „Mit Luther kam die Schulpflicht für alle ‚Knaben und Maidlein‘ nach Deutschland, denn die Leute sollten die Bibel selbst lesen können“, erzählte Plath den zahlreichen Gästen ihres Lichtbildvortrags. König Christian von Dänemark, der 1535 den Thron bestieg, befahl seinen Untertanen, darunter auch die Uetersener, evangelisch zu werden. In seinem Auftrag erarbeitete Johannes Bugenhagen 1543 eine Kirchenordnung. „Die Winkelschulen sollen abgeschafft werden, und es soll nur eine lateinische Schule geben“, heißt es da.


Ein Dokument aus dem Jahr 1580 gefunden


Zunächst sträubten sich die Nonnen im Zisterzienserinnenkloster und wollten nicht konvertieren, doch König Christian III. zwang sie 1555 zum Einlenken. Elsa Plath und ihrem Team gelang es, im Klosterarchiv ein Dokument aus dem Jahre 1580 zu finden, in dem Priörin Catharina von Pogwisch einen Schulmeister beantragt. Dessen Aufgaben waren, die Kinder neben dem Lesen und Schreiben im Katechismus und im Psalmen Singen zu unterrichten. „Denn die evangelischen Kirchenlieder, die als Fortsetzung der kirchlichen Psalmen galten, sollten unters Volk gebracht werden“, erklärte die Referentin. Gemeinsam mit einigen Gästen aus dem Publikum sang sie das Martin-Luther-Lied, so wie es damals auch von den Schülern gesungen worden war.

Im Ein- und Ausgaberegister des Klosters fand sich um 1616 ein Eintrag, in dem die Auszahlung von zwei Mark und acht Schilling an den „neu angenommenen Schulmeister“ dokumentiert ist. „Also muss schon vorher einer dagewesen sein“, schlussfolgerte Plath. Dass die Uetersener Kinder in den Genuss einer lateinischen Grundausbildung kamen, leitet sie auch aus den Rechnungen von Handwerkern und Gastwirten am Ort ab, die in der Folgezeit lateinische Endungen an die Monatsangaben hängten.


Kirchengesang ließ zu wünschen übrig


Als Priörin Ida Hedwig von Brockdorff, die auf dem Klosterfriedhof beigesetzt ist, 1713 starb, bedachte sie die Lateinschule in ihrem Testament, denn „die Jugend hat keine sattsame Erlangung der lateinischen Sprache“, beklagte sie. Zudem ließe der Kirchengesang zu wünschen übrig. Brockdorff vermachte daher 650 Reichstaler zur Anschaffung eines neuen Schulhauses, und 1719 findet sich dieser Kauf in den klösterlichen Registern. Die „Rectorschule“ lag an der Kirchenstraße, auf dem zweiten Grundstück von der Kirche her kommend, gegenüber von „Ueterst End“. Zu kämpfen hatten die Lehrer vor allem mit der Spezies der „Schulverächter“, die ihre Kinder nicht in die Lateinschule, sondern in die näher gelegenen Nebenschulen, beispielsweise die „Kleine Sandschule“ und die „Große Sandschule“, schicken wollten.

Im Anschluss an den Diavortrag hatten die Besucher Gelegenheit, einen näheren Blick auf die Exponate zu werfen. Die Ausstellung über die Uetersener Schulgeschichte von 1800 bis 1945 ist noch bis zum 31. Mai in der Museumsscheune Langes Tannen an der Heidgrabener Straße zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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