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Uetersener Nachrichten

13. Dezember 2017 | 14:49 Uhr

Hilferuf : Landwirtschaft bald Geschichte?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Einen eindringlichen Hilferuf an die Politiker in Kiel und Berlin hat der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Pinneberg am Sonnabend formuliert. „Die Lage in der Landwirtschaft ist so angespannt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“, sagte Georg Kleinwort in einer Grundsatzrede. Er eröffnete damit den Bauernball im Haseldorfer Hof.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 18:40 Uhr

Durch hohe Auflagen, Verordnungen und Gesetze könne die deutsche Landwirtschaft im globalen Konkurrenzkampf nicht mehr bestehen. „Wir produzieren mit am teuersten“, so Kleinwort. Auch im Kreis Pinneberg schlössen deshalb regelmäßig Betriebe. „Sollte der Staat hier nicht ganz schnell Erleichterungen schaffen, dann opfert er die deutsche Landwirtschaft, so wie es in der Textil- und Elektro-Branche schon geschehen ist“, warnte der Obstbauer aus Haselau.

Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland sei durch die Entwicklung bedroht. Mit dem vor- und nachgelagerten Gewerbe hingen rund zehn Millionen Arbeitsplätze vom Wohl der Bauern ab. Sie könnten in keiner Branche mehr Geld verdienen, weder bei der Herstellung von Milch, Fleisch oder Getreide. Die Produktionskosten überstiegen jeweils den Umsatz. Die Betriebe kämpften mit massiven Verlusten und müssten ihre Landwirtschaft durch andere Jobs finanzieren.

Einen Grund dafür sieht der Verbandsvorsitzende in der kleinteiligen Struktur der Betriebe im Kreis Pinneberg. Die meisten umfassen Flächen von 15 bis 40 Hektar. Wirtschaftlich arbeiten lasse sich aber erst auf rund 200 Hektar. Die Bauern müssten daher zupachten. Bei einem Hektarpreis von 350 bis 400 Euro habe ein Landwirt für 100 Hektar jährlich etwa 40000 Euro auszugeben.

Einen weiteren Wettbewerbsnachteil stelle das hohe Maß an Bürokratie und Gesetzen dar. „Deutschlands Landwirte halten den höchsten Lebensmittelstandard dieser Welt“, betonte Kleinwort. Aber Importe aus dem Ausland würden nicht nur zu Dumpingpreisen, sondern auch unter weniger Auflagen eingeführt. „Es wird nicht nach artgerechter Tierhaltung, Pflanzenschutz, Mindestlohn und sozialer Absicherung gefragt. Es darf alles auf unseren Markt“, bemängelte Kleinwort. Der Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes werde ausgehebelt. Die BSE- und EHEC-Krisen kamen aus dem Ausland, ließen aber viele deutsche Betriebe eingehen. „Spätestens hier hätten unsere Politiker sich hinter unsere Landwirte stellen und Rückgrat zeigen müssen“, so Kleinwort. Sie müssten den Bauern endlich Rahmenbedingungen bieten, um vernünftig produzieren zu können.

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