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Uetersener Nachrichten

23. Oktober 2017 | 03:30 Uhr

Diskussion : Landwirte suchen Antworten

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der beste Nachwuchs-Landwirt Schleswig-Holsteins ist hin- und hergerissen. „Ich bin 21 Jahre alt und will den Betrieb meiner Eltern übernehmen. Aber ich muss Tausende Euro investieren, um in einigen Jahren noch da zu sein“, sagte Sören Schütt bei einem Treffen von Mitgliedern der Landjugend Schleswig-Holstein mit Umweltminister Robert Habeck auf dem Almthof in Appen.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 18:25 Uhr

Die Bevölkerung stelle Landwirte wie Schwerverbrecher an den Pranger, klagte Schütt. Er zweifle, ob sich der Beruf noch lohne. „Aber ich hab' Lust dazu!“, betonte er.

Auch andere Bauern trugen ihre Probleme vor. Carsten Redderberg aus Scharbeutz berichtete, dass er seinen Öko-Hof zum konventionellen Anbau zurückgeführt habe. „Der Markt hat es nicht honoriert“, sagte er. Viele Verbraucher könnten sich die Bio-Produkte nicht leisten. „Wenn die Öko-Landwirtschaft politisch gewollt ist, muss sie ernsthaft gefördert werden“, forderte er. Zugleich beklagte Redderberg einen scharfen Ton einiger Grüner gegenüber herkömmlicher Landwirtschaft, die aber ihre Berechtigung habe.

Habeck bedauerte die Polemik in der Debatte. Er weise sie zurück, wo er könne. Allerdings wüssten immer weniger Menschen, was Landwirtschaft bedeutet. „Daraus entstehen Missverständnisse“, sagte er. Der Minister bestärkte die Jugend auf ihrem Weg.

„Der ländliche Raum braucht Sie, die das Land nach vorn bringen und den Betrieb der Eltern übernehmen wollen“, betonte der Bündnisgrüne. Schleswig-Holstein werde aufgrund seiner Bedingungen landwirtschaftlich ein hochproduktiver Standort bleiben. Das Problem sei der Strukturwandel: „Alle 23 Jahre halbiert sich die Zahl der Bauernhöfe“, sagte Habeck. Die Landwirte und Bauernverbände sollten Alternativen zu dem Kurs „Wachse oder weiche“ entwickeln.

Habeck sprach sich zwar für Wachstum und Fortschritt aus. „Aber es geht darum, eine bestimmte Form von Wachstum in eine andere Form umzuwandeln“, sagte er. Ein vorbildliches Beispiel sei der Almthof mit dem Konzept des Erlebnisbauernhofes. Besucher können etwa an einem Automaten Rohmilch zapfen. Betriebsleiter Hauke Pein nimmt dadurch pro Liter das Dreifache seines normalen Verkaufspreises ein. Habeck: „Es gibt Leute, die geben Geld aus für etwas, das ökonomisch keinen Sinn macht.“ Wer so in Mode komme, schaffe Märkte.

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