Erst zu nass, dann zu trocken : Landwirte in Tornesch berichten von Ernteeinbußen

Wasser marsch: Wo immer es geht, versuchen die Bauern ihre Felder mit dem kostbaren Nass zu versorgen.
Wasser marsch: Wo immer es geht, versuchen die Bauern ihre Felder mit dem kostbaren Nass zu versorgen.

Die Bauern in der Region machen bis zu 50 Prozent Verluste. Rekordhitze in 2018 folgt auf regenreiches Jahr 2017.

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08. August 2018, 16:30 Uhr

Tornesch | Hitze, Trockenheit, Dürre − der Sommer 2018 schlägt alle Rekorde. Am Dienstag wurden in Deutschland erneut Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke erreicht. Besonders die Landwirte leiden unter den Bedingungen und berichten über teils erhebliche Ernteausfälle. Darüber, wie es in der Region aussieht, hat unsere Zeitung mit Landwirten aus Tornesch gesprochen. Auch sie berichten von teils deutlich geringeren Erträgen. Diese schwanken jedoch je nach Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Arbeit. Zudem besteht bei den Bauern noch Hoffnung, dass in den kommenden Tagen einsetzender Niederschlag zumindest ein Stück weit für Entspannung sorgt.

Die größten Ausfälle beklagen die Tornescher Landwirte beim Getreide. Die diesjährigen Erträge würden um rund 50 Prozent unter den normalerweise üblichen Mengen liegen, berichtet Harald Meyer. Die seit April anhaltende Trockenheit habe dem Getreide stark zugesetzt, so der 55-Jährige. Er verdeutlicht den Ausfall mit zwei Beispielen: Üblich sei eine Ernte von 15 Rundballen Stroh pro Hektar. Bislang habe er vier Ballen eingefahren. Beim Weizen sei normalerweise mit mindestens 60 Doppelzentnern zu rechnen. In diesem Jahr seien es lediglich 35, so Meyer. Auch Joachim Hatje und Klaus Früchtenicht berichten von deutlichen Ernteeinbußen beim Getreide.

Weniger Rundballen als üblich: Landwirt Harald Meyer beklagt beim Getreide erhebliche Einbußen.
Philipp Dickersbach
Weniger Rundballen als üblich: Landwirt Harald Meyer beklagt beim Getreide erhebliche Einbußen.
 

Ebenso schlecht sieht es beim Grünland aus. „Einige Flächen sind so braun, da sind selbst die Wurzeln verdorrt“, erläutert Früchtenicht (69). Meyer berichtet davon, dass er im sogenannten ersten Grasschnitt lediglich die Hälfte des üblichen Ertrags einfahren konnte. Sprich: Zehn statt 20 Rundballen Heu auf einem Hektar Fläche. Einen sonst möglichen zweiten Grasschnitt werde es auf vielen Flächen zudem nicht mehr geben, so Meyer. Früchtenicht betont, dass häufig nur noch eine neue Aussaat helfe.

Es wird knapp

Heu und Gras dienen den Landwirten unter anderem als Tierfutter. Früchtenicht und Hatje haben beide erhebliche Milchviehbestände. Hatje versorgt zirka 170 Kühe und ebensoviele Tiere in der Nachzucht. Der Familienbetrieb Früchtenicht, den mittlerweile der 44-jährige Ingo leitet, besitzt zirka 300 Kühe, Bullen und Jungvieh. „Wir müssen gucken, wie wir die Tiere über den Winter bekommen“, sagt Hatje. Zwar gebe es Reserven aus dem vergangenen Jahr, doch es dürfte knapp werden, erläutert der 50-Jährige. Auch Klaus Früchtenicht berichtet, dass das eigentlich für den Winter gedachte Futter bereits angebrochen werden musste.

Und wie geht es den Tieren? Schließlich haben Kühe eine Wohlfühltemperatur von null bis sieben Grad. „Sie sind nicht so fresslustig und sind nur am Saufnapf“, sagt Früchtenicht. Entsprechend sei die Milchmenge rückläufig. Auch Hatje berichtet, dass die Milchleistung geringer sei. Doch tote Tiere hat zum Glück keiner der beiden Landwirte zu beklagen. Auch der Verkauf von Kühen stehe nicht an. Das sah bei anderen Landwirten in Deutschland zuletzt anders aus. Da sie kaum noch Futter für ihre Tiere bekamen, mussten sie Vieh an den Schlachter verkaufen. Wegen des Überangebots sanken entsprechend die Preise.

Die Blumen auf dem Hof Meyer blühen hingegen prächtig − der enormen Bewässerung sei Dank.
Philipp Dickersbach
Die Blumen auf dem Hof Meyer blühen hingegen prächtig − der enormen Bewässerung sei Dank.
 

Für Schlagzeilen haben in den vergangenen Wochen die Bilder stark verdorrter Maisfelder gesorgt − unter anderem aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort hatte der Mais teilweise nicht mal eine Höhe von einem Meter erreicht. In Tornesch ist die Lage deutlich entspannter. Zwar berichtet Hatje, der auf 45 Hektar Silomais anbaut, von Einbußen in einer Größenordnung von 20 bis 30 Prozent, doch insgesamt sehe der Mais noch einigermaßen gut aus. Die Landwirte werden den Mais wahrscheinlich Ende August ernten − und damit rund drei bis vier Wochen früher als üblich.

Joachim Hatje, Klaus Früchtenicht und Harald Meyer − zusammen kommen sie auf 174 Lebensjahre und Dutzende Jahre Erfahrung in der Landwirtschaft. Doch solch ein Sommer sei beispiellos. „Es hat immer mal Trockenperioden gegeben, aber ich kann mich an so etwas nicht erinnern“, sagt Hatje. Seit April habe es quasi keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Dabei war 2017 noch das Gegenteil der Fall. Viel zu nass kam das Jahr daher, bis in das Frühjahr 2018 hinein seien die Äcker kaum befahrbar gewesen, berichten die Landwirte. Sie einte der Wunsch nach trockenem Wetter. Doch was folgte, war eine beispiellose Trockenperiode.

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