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Jubiläum : Landfrauen feiern und fragen: Wie viel Kamele bin ich wert?

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Landfrauen können organisieren – auch ihre eigenen Feste. Ein schöner Rahmen, der „Meinkenhof“ in Kummerfeld, ein riesiges Buffet mit einheimischen Produkten, 160 Gäste, die wussten, hier wird etwas geboten, die Landfrauen-Prominenz aus Kreis und Land - alle waren in den Gasthof mit Ausblick auf Wiesen und Felder gepilgert, um ein ganz besonderes, hohes Jubiläum zu feiern. Die Ortsgruppe Pinneberg des LandFrauen Verbandes beging sein 60-jähriges Bestehen.

Und die erste Vorsitzende Christa Dreier hatte für das gesorgt, was moderne Landfrauen heutzutage ausmacht: Die klönen und futtern nicht nur, sondern sie lernen gern dazu, sind neugierig, diskussionsfreudig und wissbegierig. Daher überraschte die Vorsitzende nach den Ansprachen von LandFrauen-Präsidentin Marga Trede und Kreisvorsitzender Maren Ahrens mit einer Referentin, die den „Alltagsexpertinnen und Botschafterinnen für Lebensqualität“ - so nannte sie Präsidentin Marga Trede – in ihrem Festvortrag „Weil ich es mir wert bin“ das hinter vielem zurückstehende Selbstwertgefühl nahe brachte.

Referentin und Autorin Heidrun Kuhlmann erinnerte die Frauen daran, dass Männer genau wüssten, was sie wert seien, im Gegensatz zu den meisten Frauen könnten sie sich auch ganz anders darstellen. Das beginne schon am frühen Morgen. Männer schauen einmal in den Spiegel, sagen „Du gefällst mir“, rasieren sich und gehen. Frauen hingegen leisten sich sogar einen Kosmetikspiegel, um darin in 30facher Vergrößerung zu sehen, was sie nicht sehen wollen, betrachten sich von allen Seiten. suchen geradezu nach dem, was nicht in ihr Wunschbild passt. Heidrun Kuhlmann nannte als Beispiel die bescheidene und unscheinbare Susanne, die plötzlich völlig verändert aus einem arabischen Land wiederkam. Da hatte auf einem Basar ein Händler spaßeshalber 20 Kamele für sie geboten. Höchstgebot, da die Dame figürlich nicht dem angesagten europäischen Modediktat entsprach. Susanne schwebte fortan durch das Leben, sie war etwas wert.

Und Heidrun Kuhlmann berichtete von ganz unterschiedlichen Situationen, in denen sich das Wertgefühl von Frauen und Männern deutlich unterscheidet. So bei einem glanzvollen Wahlergebnis von 99 Prozent – bei dem die Frau aber nur darüber nachdachte, wer die zwei Personen waren, die sie nicht gewählt hatten, der Mann hingegen bei Kritik nur äußerte: „Was stört es die deutsche Eiche, wenn sich die Sau daran scheuert.“ Natürlich leiden Frauen darunter, wenn ihre Arbeit 30 Prozent weniger wert sei als die gleich hoch qualifizierte von Männern, gerade hier auf dem flachen Lande noch häufig üblich. Daher sei es ein großer Fortschritt, dass die Landfrauen zum ersten Mal zum Thema „Gleicher Lohn“ zur UNO nach New York eingeladen worden sind.

Der Wert eines Menschen sei eine zweifelhafte Sache, sagte Heidrun Kuhlmann. Da stehe die hohe Summe von 50 Millionen für einen Fußballspieler, dort die geringe Abfindung für einen Menschen, der durch einen Unfall oder ein falsches Medikament eine Behinderung davon getragen hat. Sei ein junger Mensch mehr wert als ein alter? „Wir wissen von allem den Preis, kennen aber nicht den Wert“ sagte sie und rief den Anwesenden zu: „Schaffen sie bei diesem Thema einen neuen Ansatz, das kann so ein lebendige Gesellschaft, wie sie sich hier versammelt hat, bestimmt bewerkstelligen.“

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erstellt am 01.Mär.2012 | 21:00 Uhr

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