Vortrag : Label gegen Horrorszenarien

Laufen die Bauern in Bayern mit ihren Produkten ihren schleswig-holsteinischen Kollegen qualitätsmäßig auf und davon?

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26. Januar 2012, 20:49 Uhr

Es scheint so. Der bayrische Landhändler Josef Feilmeier aus dem Landkreis Passau - „Ein ganz narrischer“, so der O-Ton der südöstlichen Landwirte, die er aber längst überzeugt hat - gab im Elmshorner Restaurant „Sibirien“ den vielen angereisten Nordlichtern auf Einladung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (B.U.N.D) der Kreise Pinneberg und Steinburg gewaltig Stoff zum Grübeln.

Der Futtermittelhändler, gelernter Banker und Landwirt, setzt sich seit Jahr und Tag dafür ein, dass gentechnisch verändertes Saatgut aus den USA und Lateinamerika nicht auf europäische und speziell deutsche Böden auf Felder und in Kleingärten überschwappt und letztendlich in Futtermittel und Lebensmittel gelangt.

Feilmeier schreckt auch vor dem Heraufbeschwören von Horrorszenarien nicht zurück – leider greift er die nicht aus der Luft, sondern kann die sogar belegen. So gelingt es der Agro-Gentechnik-Mafia inzwischen, Getreide-Saatgut herzustellen, die nur mit einem bestimmten Pestizid, einem Unkraut-Killer mit dem Namen „Roundup“ und dem Inhaltsstoff Glyphosat gespritzt aufgehen und Körner ausbilden. Das heißt, die Firma verkauft nicht nur das Saatgut für Getreide und Gemüse unter seiner Lizenz, sondern auch gleich das Pestizid dazu. Und verdient mit all seinen Lizenzen und Patenten Milliarden – ohne Rücksicht auf die Gesundheit von Mensch und Tier.

Noch gebe es keine industriell vermarktete Agro-Gentechnik in Deutschland und Europa, so Feilmeier, weil es hier inzwischen genügend Verbraucher und Landwirte gebe, die sich mit Vehemenz dagegen wehren.

Die können sich mit den Jahren immer besser auch mit Belegen aus den USA und aus Südamerika - vor allen Dingen Argentinien - rechtfertigen, wo die Gentechnik flächendeckend angewandt wird und erschreckende Ergebnisse produziert: Unfruchtbarkeit bei Tier und Mensch, immer mehr unheilbare Krankheiten, Plage von resistenten Insekten, Absterben der Embryonen.

„Wir haben die Gentechnik noch nicht, wir müssen sie nur verhindern“, sagt Feilmeier und hat dafür mit den einsichtigen bayerischen Bauern einen schlauen Plan bereits in die Tat umgesetzt. Er hat für Lebens- und Futtermittel ein Label (Markenzeichen) für gentechnikfreie Entwicklung und Herstellung geliefert und die Produkte, die so ausgezeichnet sind, laufen im Regal und im Futtermittelhandel immer mehr allen anderen den Rang ab. Feilmeier ist für seine ehrenamtliche und nachhaltige Arbeit inzwischen hoch ausgezeichnet worden. „Der Händler, der Ihnen sagt, dass es keine Futter- und Lebensmittel mit diesem Label gibt, sagt Ihnen nicht die Wahrheit. Kommen die Kunden in Mengen und verlangen das – was meinen Sie, wie schnell er es da hat“, ist sich Feilmeier sicher, da er und seine bayerischen Landwirte gentechnikfrei und damit sehr erfolgreich im eigenen Land anbauen.

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