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Uetersener Nachrichten

17. August 2017 | 13:52 Uhr

Jubiläum : Kontrolle bei Geburtstagsparty

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mit einem Festakt im Pinneberger Ratssaal ist am Wochenende das zehnjährige Bestehen der jüdischen Gemeinde gefeiert worden. 100 Gäste, darunter auch Bürgervorsteherin Natalina Boenigk, Landrat Oliver Stolz und der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann, wohnten einer Hawdala-Zeremonie, durchgeführt von Landesrabbiner Walter Rothschild, bei und erlebten, dass jüdisches Leben in Deutschland weiter des besonderen Schutzes bedarf.

Zwar betonte Gemeindevorsitzender Wolfgang Seibert in seiner Festrede, Juden seien in eine neue Normalität zurückgekehrt. Angesichts der Sicherheitsvorkehrungen aber ist es noch immer eine Normalität mit Einschränkungen: Wer die Feier besuchen wollte, musste zwei Sicherheitskontrollen passieren. Und auch mancher Ehrengast wurde gebeten, seine Tasche zu öffnen, bevor der Weg in den Festsaal freigegeben wurde. Draußen und drinnen zeigte die Pinneberger Polizei Präsenz. Geschuldet waren diese von allen Gästen mit Verständnis hingenommenen Maßnahmen den Ereignissen des vorigen Jahres, als radikale Islamisten Wolfgang Seibert mit dem Tod gedroht hatten.

Demgegenüber hätte das Miteinander der christlichen, jüdischen und muslimischen Geburtstagsgäste herzlicher und entspannter kaum sein können. „Es ist uns wichtig, dass wir ein gutes Verhältnis zu den christlichen Kirchen und den muslimischen Gemeinden in der Umgebung haben“, betonte Seibert. Landrat Oliver Stolz lobte das Engagement der jüdischen Gemeinde für die Verständigung der Religionen. „Sie bauen Brücken“, sagte er in seinem Grußwort. Gleichzeitig kritisierte der Chef der Kreisverwaltung die latent antisemitische Haltung, die es in einigen Bevölkerungsteilen immer noch gebe. „Wir wollen jüdische Familien bei uns haben, allerdings nicht als geschützte Minderheit“, so Landrat Stolz.

Auch Pinnebergs Bürgervorsteherin Natalina Boenigk betonte, es sei kein normaler Zustand, wenn eine Gemeinde besonderen Schutz benötige. Die Drohungen gegen Seibert hätten in der Bevölkerung allerdings große Bestürzung ausgelöst. Die Vertreter der anderen Kirchen lobten vor allem die Dialogbereitschaft der jüdischen Vertreter und den Umgang in einer jeweils freundschaftlichen und humorvollen Atmosphäre.

Bevor das koschere Büffet eröffnet wurde, beendete Landesrabbiner Walter Rothschild mit einer traditionellen Hawdala-Zeremonie den Schabbat (im Judentum der siebte Tag, ein Ruhetag). Unterstützt wurde er dabei von Ljudmilla Budnikov, stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein.

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erstellt am 12.Dez.2012 | 19:17 Uhr

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