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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 10:12 Uhr

Lesung : Kommodiges mit Herz und Verstand

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Kommodige Geschichten vertellten Merle Mohr und Gerd Richert am Freedach in der Haselauer Galerie Cavissamba. Die Gastgeberin Leni Rieke freute sich, dass der Abend unter dem Motto „Een Mund vull Platt“ ausgebucht war.

Etwa 45 Besucher saßen dicht beieinander in dem geräumigen Wohnzimmer und lauschten vergnügt. „Es ist so schön familiär hier“, sagte eine Zuhörerin, die zu den Angeboten der Galerie regelmäßig aus Hamburg anreist. Merle Mohr erweckte die alte Sprache mit leuchtenden Augen, lauter Stimme und einem Lächeln auf den Lippen zum Leben. Manch einem der meist über 60-jährigen Zuhörer standen vor Rührung die Tränen in den Augen. Die 17-jährige Haselauerin erzählte etwa, wie Oma bei Karstadt eine Suppe mit Bockwurst essen will. Sie verlässt kurz den Tisch und stellt bei der Rückkehr fest, dass sich ein Farbiger ihren Teller vorgenommen hat. Erst nachdem Oma seine Bockwurst aufgegessen hat, bemerkt sie, dass sie sich im Tisch geirrt hatte. In der Geschichte von der „Fahrt nach Lübeck“ wundert sich Vater über die Gewohnheiten der Städter. Als er im Kaufhaus nach Regenschirmen fragt, erhält er die Antwort „Ersten Stock“, versteht aber „Erst een Stock“ und denkt, er müsse den Schirmstock selbst auftreiben. Im Theater soll er „Programm 10 Pfennig“ Eintritt zahlen, was ihm angesichts des Gewichts seiner Frau zu teuer ist.

Lustige, aber auch nachdenkliche Töne schlug Gerd Richert an. Der 69-Jährige trug etwa eine Geschichte vor, die ihm einst seine Mutter erzählt hatte. Sie schildert das Leben einer Flüchtlingsfrau, die als Waise unter harten Bedingungen aufwächst. Doch als sie selbst Großmutter geworden ist, lacht sie „wie die Sonne“, so Richert. „Ein ehrliches Lächeln ist viel billiger als alles elektrische Licht der Welt“, lautete seine Moral von der Geschicht.

Gerd Richert ist gut befreundet mit Otto Lienau, dem Großvater von Merle Mohr. Sie wuchs mit Platt und Hochdeutsch auf. Richtig einverleibt hat sie sich die Sprache aber erst, als sie in der vierten Klasse an der Grundschule Haseldorfer Marsch zu dem plattdeutschen Lesewettbewerb des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds antrat. Gerd Richert trainierte die damals Zehnjährige so gut, dass sie den Kreis- und den Landeswettbewerb gewann. Er nahm sie als jüngste Darstellerin in die Elmshorner Speeldeel auf. Zwei Jahre später gewann die Schülerin des Ludwig-Meyn-Gymnasiums erneut den Landeswettbewerb. „Plattdeutsch ist eine sehr herzliche Sprache, mit der man manche Sachen viel freundlicher ausdrücken kann“, sagte sie am Freitag.

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erstellt am 25.Okt.2015 | 20:30 Uhr

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