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Podiumsdiskussion : Kleine Schulen sollen kooperieren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Piraten sagten ab, ihnen war der Weg nach Haselau mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unbequem. Die Linke meldete sich erst gar nicht, aber CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen waren da! Am Montag stellten sich Barbara Ostmeier, Thomas Hölck, Birgit Klampe und Helmuth Kruse im Rennen um ein Landtagsmandat im Hohenhorster Jägerkrug den Fragen der Bürger.

Dabei zeigte sich: Es gibt viele Gemeinsamkeiten, Unterschiede sind manchmal nur in der Detailbetrachtung auszumachen. Gutes Beispiel ist die Frage nach den Zukunftschancen der Dorfschulen. Barbara Ostmeier und die liberale Kreistagsabgeordnete Birgit Klampe befürworten eine Kooperation dörflicher Grundschulen, wenn an einem Standort jeweils weniger als 80 Schüler unterrichtet werden. „Damit werden die Rahmenbedingungen geschaffen, qualifizierten Unterricht anbieten zu können“, sagte sie. Dass sich so jeder Standort retten lässt, daran glaubt Barbara Ostmeier aber nicht. Auch Thomas Hölck hält Standortschließungen in Folge rückläufiger Schülerzahlen für möglich. Der Erhalt sei abhängig von Standortfaktoren wie einer guten Kinderbetreuung und einer zeitgemäßen Breitbandversorgung. „Die Gemeinden müssen die Voraussetzungen schaffen, dass die Menschen wieder auf das Land ziehen“, sagte er. Angesichts steigender Mieten in den großen Städten sei der Zeitpunkt günstig. Bündnis 90/Die Grünen halten die Mindestgrößenverordnung für falsch, stehen der Kooperation von Schulen aber durchaus positiv gegenüber. Alle vier Landtagskandidaten beobachten die zunehmende Aufgabenfülle eines Lehrers dagegen mit Unbehagen. Lehrer müssten endlich in die Lage versetzt werden, die Schüler auf den Beruf oder das Studium vorzubreiten. Sie dürften nicht mehr länger dafür zuständig sein, die Versäumnisse im Elternhaus während der Schulzeit aufzuarbeiten.

Dennoch sprach sich die Hetlinger Christdemokratin dafür aus, landesweit Lehrerstellen entsprechend dem Rückgang der Schülerzahlen abzubauen. Auch Thomas Hölck und Helmuth Kruse möchten die Lehrer entlasten, wollen das erreichen, indem sie deutlich weniger Lehrerstellen streichen als von der amtierenden Landesregierung vorgesehen. Auch suchen alle Parteien nach einer Lösung des Abwanderungsproblems. In Schleswig-Holstein ausgebildete Referendare ziehen eine Anstellung in Hamburg vor, weil hier die Chancen auf eine zügige Verbeamtung besser stehen. „Wir brauchen dringend eine bundesweit einheitliche Verbeamtungsregelung, damit wir nicht ins Hintertreffen geraten“, sagte der Haseldorfer Sozialdemokrat Thomas Hölck.

Gleichzeitig forderte er ein zumindest mit Hamburg kompatibles Schulsystem, bestehend aus Gemeinschaftsschule (in Hamburg die Stadtteilschule) und Gymnasium. Dem konnte sich auch der Grüne Helmuth Kruse anschließen. Barbara Ostemeier und Birgit Klampe dagegen möchten die schleswig-holsteinische Schullandschaft in ihrer aktuellen Form erhalten. Sie besteht aus Regionalschule, Gemeinschaftsschule, achtjährigem Gymnasium und neunjährigem Gymnasium. „Wir sollten jetzt endlich inhaltlich arbeiten“, sagte Birgit Klampe. u Drei zu Eins für die ElbvertiefungWährend der von der Freien Wahlgemeinschaft in Hetlingen und der Freien Wählergemeinschaft in Haselau initiierten Podiumsdiskussion haben sich SPD, CDU und FDP erneut für die Elbvertiefung ausgesprochen und um Vertrauen in die Aussagen von Fachleuten geworben, die die Deichsicherheit in Folge der Fahrrinnenanpassung nicht gefährdet sehen. „Die Elbvertiefung ist eine gute Sache, aber es ist auch gut, dass sich eine Bürgerinitiative gegründet hat, die auf Probleme hinweist“, sagte die Landtagkandidatin der FDP, Birgit Klampe. SPD-Kandidat Thomas Hölck bezeichnete den Hamburger Hafen als Wirtschaftsmotor, der der Grund für den Reichtum der Region sei. So müsse es bleiben, deshalb sei der für die Fahrrinnenanpassung. „Aber die Elbvertiefung kann nur funktionieren, wenn die Ökologie angemessen berücksichtig wird, die Deichsicherheit garantiert ist und die Obstbauern geschützt werden“, sagte er.

So sieht es auch die CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier. „In der Frage der Elbvertiefung Verhinderungspolitik zu betreiben, ist das falsche Signal“, sagte sie. Dennoch sei das Projekt eine große ökologische Herausforderung. Der Grünen-Kreistagsabgeordnete Helmuth Kruse hält eine Elbvertiefung dagegen für unnötig und ökologisch nicht vertretbar. „Die Deichsicherheit ist keineswegs garantiert, das Geld im Fonds zur Beseitigung des Schlicks in den Sportboothäfen reicht nicht und eine Lösung für die drohende Versalzung des Grundwassers, die zum Problem für die Obstbauern werden wird, gibt es noch nicht“, kritisierte er.

Kruse setzte sich für ein gemeinsames Hafenkonzept von Hamburg und Niedersachsen ein und forderte, zunächst die Ausgleichsmaßnahmen für die erste Elbvertiefung zu Ende zu bringen, bevor ein neues Projekt gestartet werde. Alle vier Parteienvertreter waren sich indes einig in ihrer Forderung, in der Frage der mit einer Elbvertiefung einher gehenden Verschlickung der Sportboothäfen das Verursacherprinzip anzuwenden. Und dafür, so sieht es auch Thomas Hölck, reichen zehn Millionen Euro im Hilfsfonds nicht aus.

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erstellt am 17.Apr.2012 | 20:57 Uhr

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