POMM 91 : Klassik und Moderne

Im POMM 91 sind zwei musikalische Welten aufeinander geprallt. Ein bisschen chaotisch, sehr experimentierfreudig, kunterbunt, zum Lachen, dramatisch und tragisch, wildromantisch, mit Anspruch und mit Geplänkel.

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12. September 2011, 20:47 Uhr

Zwei Tornescher Musikgrößen standen für dieses Urerlebnis gerade: Alexander Krol, Musikpädagoge mit eigener Schule und klassisch ausgebildeter Pianist und Fontaine Burnett, Amerikaner mit Wahlheimat Tornesch, Unterhaltungsmusiker mit Schwerpunkten im Blues und Jazz, aber auch fit und sehr gefragt in der Pop-Musik-Szene, mit eigenem Tonstudio am Pastorendamm.

Zwei musische Lokalgrößen, deren Können weit über die Region hinausreicht und die auch bundesweit einen guten Klang haben, die aber schon rein äußerlich unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist einmal Fontaine Burnett mit der Haut wie Sahnekaffee und den blitzbraunen, immer lachenden Augen, der den Blues kann wie einst John Lee Hooker, der bei den Gospelsongs seiner Heimat und seiner Vorfahren zu Tränen rühren kann und auf seinen immer unterschiedlichen Gitarren die fantasievollsten Variationen jazzt. Und gleich da beim Jazz trifft er sich am leichtesten mit Alexander Krol, der schmale, dunkle, ernsthafte mit dem sauber gebundenen Zopf am Hinterkopf und immer im seriösen Zwirn. Der in Kirgisien geborene Pianist liebt es mit Fontaine Burnett zusammen zu jazzen, nicht streng an Noten gebunden zu sein, sondern das Thema frei zu entfalten.

Ganz unterschiedliche Themen, „Themes“ wie sie ihr Programm in der ToAll-Veranstaltung nannten, reihten die beiden Tornescher aneinander, begannen mit Stücken aus vier Jahreszeiten und stiegen gleich mit einem „Knaller“ ein, mit einem Lied von Chopin, das Alexander Krol zart begleitete und in der sich Fontaine Burnett als Welturaufführung zum ersten Mal als klassischer Sänger versuchte. „Summertime“ aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ hingegen war ein Selbstgänger für den Soul-Spezialisten, Krôl begleitete hingebungsvoll am alten Blüthner Flügel, das Publikum jubelte. Selbst „deutschem Liedgut“ widmeten sich die beiden, sicher, dass „Ach, bitterer Winter“ in dieser Version auch ganz jungem Publikum gefallen würde. Bei den Kinderliedern sangen nahezu alle mit, ganze Generationen haben mit „This old Man“ in Amerika und in Deutschland auf Englisch zählen gelernt.

Richtig schräg wurde es, als Burnett ein von Krol gespieltes klassisches Klavierstück mit den Reglern und auf der Anlage scratschte, so vermischt sich Klassik und ganz moderne Musikrichtung. Bei wunderschönen alten Gospels hatte Burnett wieder die Nase vorn, Krol indessen erklärte den Aufbau einer Fuge von Bach. Schweiß, aber keine Tränen, kostete Fontaine Burnett die Premiere seiner Sangeskunst bei dem wunderschönen „Ich liebe Dich“ von Beethoven, bei dem er nahezu wie ein Klassik-Profi die Stimme mit den Händen stützte. Leichter fiel ihm dann der Evergreen „Besame Mucho“ zum Schluss. Das völlig von diesem leichten und lockeren Abend mit Anspruch hingerissene Publikum war von „seinen“ Tornescher Künstlern mehr als begeistert.

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