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Uetersener Nachrichten

18. August 2017 | 10:58 Uhr

Klassik begeistert 1000 Gäste

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Gleich zwei monumentalen Sonaten widmete sich die „Grande Dame“ des Klaviers, die in Wien lebende russische Pianistin Elisabeth Leonskaja bei ihrem gut besuchten Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals im Haseldorfer Rinderstall.

Als erstes trug sie die Sonate in f-Moll op. 5 von Johannes Brahms vor, schwere dreiviertelstündige Kost ganz ohne Noten und die Leonskaja versteht es meisterhaft, sich in den bei der Entstehung der Sonate noch jungen Brahms hineinzuversetzen. Die Sonate in f-Moll für Klavier entstand ungefähr in der Zeit, als der Hamburger Brahms dem Ehepaar Clara und Robert Schumann 1853 zum ersten Mal in Düsseldorf begegnete, Johannes Brahms hat die zwölf Jahre ältere Clara Schumann sein Leben lang zärtlich verehrt, die Schumanns haben ihm gegenüber bereits bei der ersten Begegnung große Bewunderung gezeigt. Ein tragisches Liebesgedicht von Sternau soll der Sonate zugrunde liegen: Der Abend dämmert, das Mondlicht scheint. / Da sind zwei Herzen in Liebe vereint / Und halten sich selig umfangen. Und genau das wiederzugeben gelingt Elisabeth Leonskaja auf den Punkt, die Dramen, das Abgründige, aber auch das Zarte mit ihrem feinen Anschlag.

Und ganz viel russische Seele und die wertkonservative Moskauer Schule sind zu hören, schließlich studierte die in Tiflis (Georgien) geborene und aufgewachsene Künstlerin am Moskauer Konservatorium, ließ sich entscheidend von der Zusammenarbeit mit dem poetischen und kraftvollen Spiel des berühmten russischen Pianisten Svjatoslav Richter prägen, mit dem sie 1992 bereits gemeinsam in Haseldorf war.

Nach der Pause Peter Tschaikowskys Grande Sonate in G-Dur op. 37: Tschaikowsky hat sie im Jahre 1878 erschaffen, 1879 wurde sie von dem bis heute unvergessenen Pianisten Nikolaj Rubinstein in Moskau uraufgeführt, später wurde das Spiel Rubinsteins fast mehr gelobt als die Sonate selbst, die damals als „trocken und kompliziert“ bezeichnet wurde. Die Leonskaja hingegen hat das richtige Gespür für die „Große Sonate“, versetzt sich tief in das dramatische Geschehen. Das Publikum war begeistert, forderte von der Künstlerin gleich drei Zugaben, Liszt, Debussy und Mozart erklangen, während die ersten Zuhörer schon wieder einmal der respektlosen und störenden Unsitte nachkamen, eilig den Konzertsaal zu verlassen.

Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden ließ der Künstlerin einen prachtvollen Blumenstrauß mit Sonnenblumen, roten Gladiolen und weißen Löwenmäulchen überreichen. Im anschließenden Künstlertreff betonte er noch einmal seine besondere Verbundenheit mit der weltbekannten Künstlerin, die er in den 1990er Jahren zusammen mit Svjatoslaw Richter auf dem Schloss im Gästehaus zu Gast hatte und die damals mit ihrem bescheidenen Wesen dadurch auffiel, dass sie zu Fuß von Haseldorf nach Wedel zum Einkaufen ging. Begeistert erinnerte er sich an das gemeinsame Klavierspiel von der Leonskaja und Richter, das damals durch den Schlosspark hallte. „Sie sind“ so sagte er, sicherlich auch im Namen aller Zuhörerinnen und Zuhörer – „jederzeit ein gern gesehener Gast.“

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erstellt am 03.Aug.2015 | 21:09 Uhr

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