Podiumsdiskussion : Klares „Nein“ zum Fracking

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Heiß her ging es in Sibirien: Der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voß aus Wilster (Kreis Steinburg) hatte in das Elmshorner Restaurant mit dem frostigen Namen zu einer Informations- und Diskussions-Veranstaltung mit dem Thema „Kein Fracking im Norden“ geladen.

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04. Dezember 2014, 18:35 Uhr

Das ließen sich viele besorgte Menschen aus den beiden Erlaubnisfeldern in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Segeberg nicht entgehen. Wer pünktlich um 19 Uhr kam, musste mit einem Stehplatz in dem knüppeldick besetzten Saal vorlieb nehmen.

Den Anwesenden wurde gleich zu Beginn ein handfester Eklat geboten: Ausgerechnet die zum ersten Mal öffentlich auftretende Sprecherin der Betreiberfirma PRD Energy GmbH aus Berlin, die Juristin Gabriele Junker, verbat sich speziell Aufnahmen des ebenfalls zur Berichterstattung angereisten Teams des NDR Schleswig-Holstein Magazins. Bernd Voß musste als Veranstalter von seinem Hausrecht Gebrauch machen und darauf hinweisen, dass der NDR bei einer öffentlichen Veranstaltung natürlich bleiben und berichten könne.

Das Ansinnen der Juristin, ausgerechnet die Fernseh- Berichterstattung mit dem Pochen auf ihre Persönlichkeitsrechte zu unterbinden, förderte die misstrauische Stimmung des ohnehin kritisch eingestellten Publikums gegenüber der Betreiber Firma, die zum ersten Mal bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung auftrat, allerdings nicht. Wie, so fragten die Anwesenden, sei die Firma finanziell abgesichert, wenn es trotz aller Beteuerungen bei den anstehenden Bohrungen dann doch zu Leckagen und der darauf folgenden Vergiftung des Grundwassers kommen würde?

Die Betreiberfirma mit ihren zehn fest angestellten Mitarbeitern in Berlin hafte als GmbH nur mit ihrem eingelegten Kapital in Höhe von 26000 Euro, und die übergeordnete Mutterfirma in Calgary/Kanada sei da sicherlich auch nicht besser gestellt, befürchtete der Bürgermeister von Quarnstedt. Im Schadensfalle müsse dann der schleswig-holsteinische Steuerzahler für die geschätzt siebenstellige Summe der Sanierung aufkommen.

Eine entsprechende Versicherung werde dann abgeschlossen, wenn die Bohrungen nach Kohlenwasserstoffen beginnen, beteuerte die PRD-Energy-Sprecherin. Jetzt in der fünfjährigen Planungsphase werden die Böden in den Erlaubnisfeldern lediglich auf entsprechende Gesteinsschichten untersucht. Die Untersuchungen und auch die später anfallenden Bohrungen übernehme auch nicht die PRD Energy selbst, sondern Subunternehmen.

Außerdem plane die Firma gar kein Fracking, um eventuelle Gasvorkommen aus tiefliegendem Schiefergestein zu brechen, sondern hoffe, noch restliche Ölvorkommen aus der Umgebung von längst ausgebeuteten und wieder verschlossenen Ölbohrungen zu finden.

Das Land setzt auf privaten Widerstand / Bauer will seinen Boden verteidigen

Tobias Goldschmidt, Leiter der Stabstelle Energiepolitik im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) versicherte, dass das Land sich einhellig gegen Fracking ausgesprochen habe. Die Anträge auf die Ausführungserlaubnis in den Erlaubnisfeldern müssten aus verwaltungsrechtlichen und bergrechtlichen Gründen aber genehmigt werden. Weitergehende Genehmigungen nach den fünf Jahren werde es nicht geben, denn Schleswig-Holstein setze auf alternative Energien und hofft darauf, dass die Bevölkerung durch privaten Widerstand gegen so eine auch wirtschaftlich unsinnige Ausbeutung vorhandener Ressourcen deutliche Zeichen setze.

Das versprach mit klaren Worten Achim Bock, Öko-Melkbuer aus Lutzhorn: „ Ich werde es verhindern, dass sie meinen Grund und Boden, auf dem ich jetzt in dritter Generation mit allem Engagement für eine gesunde Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel arbeite, überhaupt betreten dürfen“, warnte er die Betreiberfirma.

Was ist Fracking?

Mit Fracking wird eine Fördermethode von Erdgas- und Erdölvorkommen bezeichnet, bei der mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tief liegendes Schiefergestein gepresst wird, das dadurch aufbricht und Öl oder Erdgas freigibt. Gefahren: Verunreinigung des Grundwassers, umliegender Gewässer. Hoher Verbrauch sauberen Wassers.

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