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Ökumenisches Gespräch : Kirchen gespalten und doch vereint?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Im Uetersener Martin-Luther Haus versöhnen sich die christlichen Gemeinden.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Uetersen | Mal „auf Krawall gebürstet“, meist aber sehr einvernehmlich und voller Toleranz und Respekt diskutierten fünf Vertreter der christlichen Kirchengemeinden auf der Bühne des Kirchensaals im Martin-Luther-Haus das Thema „Reformation aus ökumenischer Sicht“. Das eigentlich trockene Motto des Abends präsentierte sich dann durchaus spannend, zumal die vielen Zuhörer anonym und schriftlich Fragen stellen konnten – und die gingen schon ins „Eingemachte“.

Können die christlichen Kirchen nach dem Umbruch und den Veränderungen der Reformation nicht endlich auch einmal wieder fusionieren, wollte Moderator und Gastgeber Torsten Küster, Prediger des Martin Luther-Hauses in der Gemeinschaft der evangelischen Kirchen, von seinen vier Diskussionteilnehmern auf der Bühne − Pastorin Kirsten Ruwoldt (evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Am Kloster), Pastor Johannes Bornholdt (evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Erlöser), Pastor Frank Penno (evangelisch-freikirchliche Gemeinde Christuskirche) und Diakon Thomas Kleibrink (katholische Ortskirchengemeinde Christkönig) − wissen. Wo seien die Unterschiede im Glauben, was können die Religionsgemeinschaften von einander annehmen, was nicht? Diese Unterschiede seien gar nicht so groß, arbeitete das Quartett heraus, wichtig sei das Verständnis füreinander. So zum Beispiel die Marien- und Heiligenverehrung in der katholischen Kirche. „Wir beten nicht die Heiligen oder Maria an, sondern bitten sie um Fürsprache bei Gott, wir nehmen sie sozusagen als Mittler“, rückte Kleibrink das Verständnis gerade. „Die Heiligen und Maria bereiten sozusagen die Landebahn, um bei Gott anzukommen.“ Und um die Gnade Gottes zu erlangen, brauche es kein Geld, so Penno. Gott erwarte keine Gegenleistung für seine Gnade. „Gott vergibt, was wir bereuen“, ergänzte Ruwoldt.

Sie sei allerdings bei der Frage, wieso eine Obrigkeit das Recht habe, über das Seelenheil eines Menschen zu entscheiden, gegenüber der katholischen Kirche „auf Krawall gebürstet“. Darüber müssten die Gläubigen selbst entscheiden. Das sei zwar der schwierigere und längere Weg, aber die Auseinandersetzung damit tiefgehender, allerdings sei diese Freiheit auch anstrengender.

Frauen sollen Priester werden dürfen

Bornholdt fasste das gesamte Thema in einem Statement zusammen. Er könne sich eine Fusion der Kirchen durchaus und sofort vorstellen, wenn die katholische Kirche ein paar Bedingungen erfüllen würde, so zum Beispiel ein gemeinsames Abendmahl, keinen Papst als Führungsträger und dass sie Frauen als Priester einsetzen würde.

Bis dahin sei noch ein langer Weg, räumte der katholische Diakon ein, der berichtete, dass der aktuelle Papst zwar einen großen Diskussionsrahmen zuließe, aber das Recht der Dogmen auch für ihn bindend sei und dass es nicht leicht sei, diese Dogmen wieder aufzuheben und zu ändern.

Die Aussagen des Papstes gelten zwar als „unfehlbar“, aber ob er sich selbst als unfehlbar einschätzen würde... Kleibrink zweifelte daran. Wie unterschiedlich und persönlich auch die Einstellung der einzelnen Kirchenvertreter ist, zeigte sich an der Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. „Wir segnen Autos und Tiere – warum nicht auch gleichgeschlechtliche Paare“, so überraschend liberal reagierte der katholische Diakon. Im Gegensatz dazu sagte Prediger Torsten Küster, diesen Segen nicht mit seinem Glauben vereinbaren zu können. Einigkeit herrschte unter den Fünfen allerdings in einem wichtigen Punkt: Menschen wegen ihres unterschiedlichen Glaubens zu verdammen und zu verurteilen sei in keinem Fall gut.

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