DOW Stade : Kippt das Kraftwerk?

Die Bürgerinitiative Haseldorfer Marsch hat neue Hoffnungen geschöpft. Mitglied Peter Kelting rechnet nicht mehr damit, dass der Konzern Dow Chemical in Stade ein Kohlekraftwerk errichten wird. „Dow wird den Deibel tun, ein Kraftwerk aufzubauen. Es lohnt sich nicht mehr, in Deutschland ein Kraftwerk zu betreiben, das eine Grundversorgung darstellen soll“, sagte er.

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12. November 2013, 21:40 Uhr

Anlass zu dieser Einschätzung erhielt er bei einem Treffen Ende Oktober in Stade. Vier führende Vertreter des Konzerns stellten Mitgliedern von drei Bürgerinitiativen, des BUND und der Klima-Allianz Deutschland die sogenannte Chem/Coast-Studie zur Windstrom- und Wasserstoffwirtschaft in der Elbregion vor. Etwa 14 Zuhörer hatten sich versammelt. Dabei habe der bei dem Gespräch ranghöchste Dow-Vertreter gesagt, dass der Konzern in Deutschland „nicht einen Euro mehr“ für Erweiterungsinvestitionen ausgeben werde. „Alle Zuhörer hielten den Atem an“, so Kelting. Er schließt aus der Äußerung, dass das Kohlekraftwerk nicht gebaut wird.

Dow-Sprecher Joachim Sellner wies diese Einschätzung gestern zurück. „Investitionen in neue Produktionsanlagen in Deutschland sind unwahrscheinlich. Das heißt aber nicht, dass bestehende Standorte nicht abgesichert werden“, sagte er. Zu dieser Absicherung gehöre auch der Ausbau der Energieversorgung des Stader Werks. Die Stromkosten in Deutschland seien im internationalen Vergleich sehr hoch, eine günstige Energieversorgung vor Ort daher wichtig.

Doch Kelting zweifelt daran, dass Dow an den Plänen für das Kraftwerk festhalten wird. Zu der Aussage des Pressesprechers merkte er an: „Diese Auskunft ist rein politisch. Das ist das typische Gehabe eines Großinvestors, der sich die Option halten will, irgendwann doch mal bauen zu können“, vermutete er. Deshalb rechnet er damit, dass das Unternehmen die Genehmigungsverfahren fortsetzen werde – Mitte Dezember will die Stadt Stade zum zweiten Mal den B-Plan auslegen. Doch der Trend zeige in eine andere Richtung: Versorger in Deutschland würden derzeit reihenweise Gas- und Kohlekraftwerke schließen, weil sich der Betrieb nicht mehr lohne.

Daniela Setton, Leiterin der Anti-Kohlekampagne des Bündnisses Klima Allianz Deutschland, bestätigte gestern Keltings Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Situation: „Ich habe den Eindruck, dass angesichts der bestehenden Rahmenbedingungen Investitionen in ein Kohlekraftwerk kein sinnvolles Projekt sind, auch für ein stromintensives Unternehmen wie die Dow“, sagte sie. Grund: Es sei für die Unternehmen derzeit günstiger, den Strom an der Börse zu kaufen, als selbst herzustellen. „Die ganze Branche jammert, dass sie mit ihren Kraftwerken kaum mehr Geld verdienen“, so die Energie-Expertin. Der Börsenpreis für Strom sei vor allem durch das große Angebot an erneuerbaren Energien gesunken, aber auch, weil es keine CO2-Steuer gebe.

Die BI Haseldorfer Marsch bekämpft den Bau des Kraftwerks seit Jahren. Weitere Infos unter www.bi-haseldorfer-marsch.de

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