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Jobsuche : Jung, gut ausgebildet, aber ohne Lehrstelle

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Imgrunde hat Farhad Barati viel Glück gehabt. Als der 18-Jährige vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Deutschland floh, hatte seine Familie keine Schwierigkeiten, den Nachweis für eine politische Verfolgung in der Heimat zu erbringen. Und von da an ging alles ganz schnell.

Der Asylantrag wurde genehmigt, Barati besuchte Deutschkurse und kam schließlich an die Berufsschule in Pinneberg. Dort machte er im Sommer die Mittlere Reife, und seitdem kommt der mehrsprachige junge Mann nicht weiter. Er sucht händeringend einen Ausbildungsplatz, bislang ohne Erfolg.

Für Berufsschulleiter Ulrich Krause ist es unverständlich, dass sich bislang auf die vielen Bewerbungen keine Resonanz einstellte: „Dieser junge Mann hat ganz viel Potenzial und ist ein Gewinn für jedes Unternehmen“, sagte er.

In der Tat können sich Baratis Zeugnisse sehen lassen. Nicht nur sein Schulabschluss, für den er sich auf Wirtschaftsthemen spezialisierte, ist gut, auch die Rückmeldung der Unternehmen, bei denen er zwischendurch jobbte, um etwa seinen Führerschein bezahlen zu können, sind herausragend. Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, absolutes Engagement und ein einwandfreies Verhalten wird ihm attestiert.

Im Gespräch mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Ines Strehlau hatte er jetzt Gelegenheit, seine Geschichte zu erzählen. „Für Jugendliche bedeutet so eine Situation eine hohe emotionale Belastung“, sagte sie und forderte die Betriebe auf, sich stärker zu öffnen. „Junge Menschen wie Farhad Barati sind total engagiert und wollen sich einbringen“, sagte die Grünen-Abgeordnete.

Seitdem er das Zeugnis in der Tasche hat, schreibt Barati jeden Tag eine Bewerbung, Außerdem nimmt er jede Gelegenheit wahr, mit Unternehmen in Kontakt zu kommen, etwa beim sogenannten „Speed Dating“, wo Jugendliche jeweils mit einem Firmen- oder Personalchef an einem Tisch sitzen und nach zehn Minuten den Gesprächspartner wechseln. Sein Traum wäre eine kaufmännische Ausbildung in der Automobilbranche. Autos, so sagt er, seien seine große Leidenschaft. Für Ulrich Krause kein Problem: „Er ist absolut ausbildungsreif“, sagte er.

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erstellt am 27.Sep.2015 | 21:57 Uhr

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